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MIG Weld Normgerechte Schweißanweisung für Zertifizierung schnell erstellt

| Autor / Redakteur: Robert Lahnsteiner / Stefanie Michel

Ab Juli 2014 müssen Unternehmen, die Aluminium- oder Stahltragwerke herstellen, zertifiziert sein. Die Zertifizierung erfordert dann, dass Schweißungen mit qualifizierten Verfahren unter Verwendung einer Schweißanweisung durchgeführt werden. Um diese zu erstellen, wurde eine entsprechende Software entwickelt.

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Eine zunehmende Anzahl von Schweißunternehmen wird zukünftig Schweißanweisungen erstellen müssen, um die Grundlage für eine CE-Kennzeichnung nachweisen zu können.
Eine zunehmende Anzahl von Schweißunternehmen wird zukünftig Schweißanweisungen erstellen müssen, um die Grundlage für eine CE-Kennzeichnung nachweisen zu können.
(Bild: BIS Industrieservice Mitte)

Bis Mitte 2014 gelten für Unternehmen, die Aluminium- oder Stahltragwerke herstellen, sowohl die nationale Norm als auch die EN 1090. Danach muss eine Zertifizierung vorliegen, der ein aufwendiger interner Prozess mit einem anschließenden Audit einer externen Zertifizierungsstelle vorausgeht. Allerdings bedeutet dies ebenso, dass der Auftraggeber heute schon die Einhaltung der EN 1090 verlangen kann.

Normengruppe EN 1090 ersetzt bisherige Ausführungsnormen

Die Normengruppe EN 1090 ersetzt in Europa die bisher gültigen Ausführungsnormen für Stahltragwerke. Dementsprechend dürfen dann Unternehmen nur noch Produkte mit einem gültigen CE-Zeichen vertreiben. Hersteller von Metallkonstruktionen sind daher verpflichtet, sich zertifizieren zu lassen, um mit dem Audit die Voraussetzungen zum Erhalt der Zertifizierungsnummer zum CE-Zeichen zu erfüllen. Die Konformitätsprüfung setzt fünf Schritte voraus:

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  • die Informationsrecherche zur Norm und den entsprechenden Ausführungsklassen,
  • eine darauf abgestimmte Ausbildung der eigenen Mitarbeiter,
  • die Einführung eines Qualitätssicherungssystems,
  • das Erstellen von Schweißanweisungen (WPS),
  • das Audit einer Zertifizierungsstelle.

Zum Erstellen einer Schweißanweisung (Schritt 4) erfordert der Unterabsatz 7.4.1.1 der EN 1090, dass Schweißungen mit qualifizierten Verfahren unter Verwendung einer Schweißanweisung durchgeführt werden.

Mit Software Schweißanweisungen leichter erstellen

Die EN 1011-1 erfordert die Erstellung einer Schweißanweisung in Übereinstimmung mit der EN ISO 15609. Für das Lichtbogenschweißen ist die EN ISO 15609-1 anzuwenden. Eine Schweißanweisung (WPS = Welding Procedure Specification) zu erstellen, ist zeitaufwendig und daher kostenintensiv, kann jedoch durch geeignete Software erleichtert werden.

Eine Schweißanweisung muss detaillierte Informationen, beispielsweise zum Schweißverfahren, zum Schweißdrahtdurchmesser, zum Schutzgas oder zur Materialdicke, aufweisen. Zunächst müssen die benötigten Informationen gesammelt werden – üblicherweise durch Beobachtung und Datenerfassung während des Schweißens. Die nächste Aufgabe ist die Erstellung eines Dokumentes, das alle Daten in einer entsprechenden Form enthält, entsprechend der Anlage A der EN ISO 15609-1.

Am zeitaufwendigsten ist es schließlich, die Skizzen für die Gestaltung der Verbindung und die Schweißfolge zu erstellen. Speziell dafür wurde eine entsprechende Software entwickelt.

Maßstabsgetreue Skizze des Schweißnahtdetails erstellen

Die Software WPS-Maker erstellt aus der Eingabe weniger Abmessungen, wie beispielsweise der Geometrie der Schweißfuge, eine maßstabsgetreue Skizze des Schweißnahtdetails (Bild 1 – siehe Bildergalerie). Für den Fall, dass eine spezielle Nahtvorbereitung existiert, die nicht automatisch generiert werden kann, ist es auch möglich, jedes beliebige Grafikformat zu importieren und in der Software darzustellen.

Im nächsten Schritt wird die Schweißfolge ebenso effektiv und einfach generiert: Der Grundriss der Schweißfuge wird entsprechend dargestellt und der Umriss jeder einzelnen Schweißraupe wird mit nur wenigen Mausklicks gezeichnet (Bild 2). Die Nummerierung der einzelnen Raupen erfolgt automatisch oder wahlweise manuell. Auch hier kann alternativ eine Grafikdatei eingefügt werden.

Software unterstützt Plasmaschweißen, Unterpulverschweißen, Metall-Aktivgas-Schweißen, Metall-Lichtbogenschweißen, Metall-Inertgas-Schweißen und Wolfram-Inertgas-Schweißen

Jede einzelne Schweißraupe lässt sich mit einem unterschiedlichen Verfahren oder zumindest mit verschiedenen Parametern schweißen. Die Software unterstützt zahlreiche Schweißverfahren, darunter Plasmaschweißen, Unterpulverschweißen mit unterschiedlichen Elektroden, Metall-Aktivgas-Schweißen, Metall-Lichtbogenschweißen, Metall-Inertgas-Schweißen und Wolfram-Inertgas-Schweißen. Zusätzlich können Prozesse und Parameter für die Wärmebehandlung sowie für die Vor- und Nachwärmung spezifiziert werden. Nach der Eingabe und Bestätigung werden alle Änderungen unmittelbar im WPS-Dokument angezeigt.

Zuletzt müssen die Stammdaten ausgefüllt werden und zusätzliche Angaben zur Schweißnaht erfolgen. Einige Textfelder lassen sich entsprechend den individuellen Bedürfnissen anpassen und andere werden automatisch ausgefüllt, wie beispielsweise die Materialdicke und die Nahtart. Die Schweißposition entsprechend der ISO 6947 kann aus einer Datenbank ausgewählt werden. Ebenso steht für die Auswahl des Grundwerkstoffs eine Datenbank mit 4688 Stahl- und 227 Aluminiumwerkstoffen zur Verfügung, er kann aber auch individuell eingegeben werden. Unterschiedliche Werkstoffpaarungen lassen sich darstellen.

Normgerechte Schweißanweisung nach EN 15609-1 als Basis für CE-Zeichen

Im Kopfbereich des Dokuments kann schließlich ein eigenes Logo eingebunden werden, ebenso wie eine individuelle Bezeichnung der Schweißnaht und eine Revisionsnummer. Das Ergebnis ist eine perfekte Schweißanweisung entsprechend der EN ISO 15609-1 und die Basis für ein CE-Zeichen. Viele Schweißaufgaben sind immer wiederkehrender und einfacher Natur. Niederfeste Stähle und Aluminiumlegierungen, Kehl- und Stumpfnähte sowie Schweißprozesse wie MSG und WIG werden in Tausenden Schweißwerkstätten verwendet. Es kommen weitgehend identische Parameter und Schweißnahtvorbereitungen zur Anwendung.

Für diese Anwender liefert WPS-Maker eine ziemlich umfangreiche Bibliothek von vorgefertigten Schweißanweisungen mit. Diese wurden von qualifizierten Schweißern unter praktischen Bedingungen erstellt. In vielen Fällen können sie mit nur geringfügigen Modifikationen und Anpassungen verwendet werden. Allen Anwendern von WPS-Maker stehen diese Dokumente kostenfrei zur Verfügung.

* Robert Lahnsteiner ist Geschäftsführer der MIG Weld GmbH International in 94405 Landau/Isar

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