Automatisierung R2-D2 und C-3PO: Roboter auf dem Vormarsch

Autor / Redakteur: Lothar Handge / Dietmar Kuhn

Industrieroboter sind zwar nicht so knuffig wie die Blechkameraden aus der „Star-Wars“-Saga, aber mindestens ebenso hilfreich. Längst ist die Automatisierung auch im umformtechnischen Bereich ohne sie nicht mehr denkbar. Dabei kennt der Markt eine Vielzahl unterschiedlicher Lösungen.

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Ohne Roboter nicht denkbar: Automation von Umformpressen. Bild: Kuka
Ohne Roboter nicht denkbar: Automation von Umformpressen. Bild: Kuka
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Automation ist weltweit auf dem Vormarsch. Wie Gerhard Wiedemann, Vorsitzender des Vorstands der Kuka Aktiengesellschaft, Augsburg, auf der Bilanzpressekonferenz erklärte, „verschärft die Globalisierung den Wettbewerb in vielen Branchen, führt zu einem erhöhten Automationsdruck und damit zu einer ansteigenden Roboternachfrage rund um den Globus“. Nicht nur in der Automobiltechnik und angrenzenden Branchen tragen Roboter immer mehr zur Optimierung und Flexibilisierung der Produktion bei, sondern auch in anderen Anwendungsbereichen.

Diese Entwicklung hat 2007 zu einem weltweiten Absatzplus von 10% bei Industrierobotern gegenüber dem Vorjahr geführt. Damit sind nach Schätzungen der International Federation of Robotics (ifr) rund 1 Mio. Industrieroboter rund um den Globus im Einsatz, knapp die Hälfte davon in Asien, ein Drittel in Europa und 16% in Amerika. Bis 2010 wird ein Anstieg auf knapp 1,2 Mio. Einheiten erwartet.

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Allein 2007 kamen etwa 125000 Industrieroboter weltweit neu hinzu – nach 2005 die zweithöchste jemals verkaufte Stückzahl. Neben dem Bereich Automotive setzte sich der starke Bedarf an Industrierobotern und Automationslösungen auch in den Nicht-Automobil-Bereichen weiter fort. Nach Schätzungen der ifr erhöhten diese Bereiche schon 2006 ihre Roboter-Bestellungen um 25%.

Über die integrierten Geschäftsbereiche Robotics und Systems tritt Kuka am Markt als Anbieter von einzelnen Robotern, Roboterzellen sowie roboterautomatisierten Produktionsanlagen auf. Die Automobilindustrie bleibt für den Anbieter eine bedeutende Kundengruppe, betont Wiedemann und ergänzt: „Automation made by Kuka ist aber zunehmend auch ein Thema in Zukunftsbranchen wie der Luftfahrt- und der Solarindustrie, die aktuell viele Produktionsbereiche von bisher manueller auf zukünftig maschinelle Produktion umstellen.“

Schwerlastroboter KR 1000 Titan setzt neue Maßstäbe

Aus der Palette der Neuentwicklungen des Jahres 2007 hebt Wiedemann besonders den neuen Schwerlastroboter KR 1000 Titan hervor, der „als einziger Roboter der Welt 1000 Kilogramm Gewicht stemmen kann“. Der Roboter stelle ein Maximum an Kraft, Geschwindigkeit, Reichweite und Präzision dar, meint Wiedemann: „Mit neun Motoren und einem Drehmoment von 60 000 Nm ist der Titan 100-mal stärker als ein gut motorisiertes Auto.“

Kuka Robotics stelle sich damit auf die Nachfrage nach einem Roboter zum Heben schwerer oder sperriger Bauteile ein. Der Titan könne zum Beispiel ganze Autokarosserien versetzen, wozu bisher mindestens zwei Roboter oder eine aufwändige Sonderkinematik nötig waren.

Eine interessante Weiterentwicklung aus dem letzten Jahr ist das Kuka-Roboterbördeln. Beim High-Speed-Hemming wird die Falzrolle selbst angetrieben. Dies soll einen Taktzeitvorteil von 25% bewirken. Das neue Bördel-System soll 2008 erstmalig bei Ford in der Türen- und Klappenfertigung eingesetzt werden. Darüber hinaus verfolgen die Augsburger in ihrer Entwicklungsarbeit technologische Trends wie Roboter-Roboter-Kooperation, Mensch-Maschine-Kooperation, Produktionsassistenten oder modulare interaktive Robotergenerationen.

Kooperierende Roboter im Kommen

Kooperierende Roboter zum Beispiel tragen nicht nur in der Automobiltechnik immer mehr zur Optimierung und Flexibilisierung der Fahrzeugproduktion bei. Dabei arbeiten mehrere Roboter simultan zusammen, um beispielsweise gemeinsam Teile zu bearbeiten und Taktzeiten zu reduzieren oder um sich schwere Traglasten zu teilen. Ein weiteres neues Konzept zielt darauf ab, die Kooperation zwischen Mensch und Roboter bei überlappenden Arbeitsräumen zu verbessern, um einen optimalen Automationsgrad zu erreichen.

Auch für ABB ist die Automobilindustrie ein wichtiger Abnehmer. Als Projekt mit Modellcharakter für den gesamten amerikanischen Automobilbau bezeichnet man das neue Werk Belvedere, mit dem Chrysler auf flexiblen robotergestützten Karosseriebau setzt. Nicht weniger als 800 ABB-Roboter produzieren dort in nur einer Produktionslinie drei unterschiedliche Fahrzeugtypen. „Die Linie kann ohne Zeitverlust zwischen den drei Modellen wechseln“, sagt dazu Frank Ewasyshyn, Executive Vice President für die Produktion bei Chrysler.

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