Von wegen Bagatelle! Die Unfallursache Nummer eins wird in Unternehmen unterschätzt

Quelle: Antje Eggersdorfer 4 min Lesedauer

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Stolpern, Rutschen und Stürzen bilden einen der größten Unfallschwerpunkte in Betrieben. Hier verrät die Expertin Antje Eggersdorfer von Seton by Brady, was man tun kann ...

Haben Sie gewusst, dass Stürze, Ausrutscher und Stolpern zu den größten Gefahren in Betrieben gehören? Wenn nicht, dann zählen Sie vielleicht auch zu jenen, die das eher am Rande beachten. Doch das kann fatal werden. Hier erfahren Sie, wie man Unfälle vermeiden kann ...(Bild:  Seton by Brady)
Haben Sie gewusst, dass Stürze, Ausrutscher und Stolpern zu den größten Gefahren in Betrieben gehören? Wenn nicht, dann zählen Sie vielleicht auch zu jenen, die das eher am Rande beachten. Doch das kann fatal werden. Hier erfahren Sie, wie man Unfälle vermeiden kann ...
(Bild: Seton by Brady)

Rund 53 Prozent nennen im Rahmen des DGUV-Barometers Arbeitswelt 2026 Stürze & Co. als Unfalltyp und als größtes Risiko am eigenen Arbeitsplatz. Damit ist das sogar mit Abstand der am häufigsten genannte Grund. Trotzdem gilt er vielerorts hartnäckig als Bagatelle. Ein Ausrutscher auf nassem Hallenboden, ein Fehltritt an der Treppe, ein Kabel quer über dem Laufweg: Solche Situationen wirken nur so lange harmlos, bis sie es nicht mehr sind. Der Unfalltyp wird zuvor aber als banal wahrgenommen und deshalb selten systematisch angegangen. Hinzu kommt, dass in Produktions- und Werkshallen die Aufmerksamkeit häufig den großen, offensichtlichen Maschinengefahren gilt, während der glatte Boden oder die schlecht einsehbare Stufe unbeachtet bleiben. Die Folgen sind dennoch erheblich! Denn Stürze führen häufig zu langen Ausfallzeiten und hohen Kosten. Die Unauffälligkeit im Alltag steht also in keinem Verhältnis zur betrieblichen Belastung im Ernstfall.

Die typischen Gefahrenpunkte im Unternehmen erkennen

Kritische Punkte entstehen dort, wo sich die Wege von Menschen, Fahrzeugen und Materialflüssen überschneiden überschneiden. In der Praxis sind das vor allem Eingangsbereiche, Treppen und Hallenwege sowie Lager, Produktionsflächen, Verkehrswege und Rangierzonen. Besonders tückisch sind Übergänge zwischen Arbeitsbereichen und Stellen mit wechselnden Bodenbelägen. Also der Weg von der Halle ins Freie, von glattem Boden auf rauen Untergrund. Aber auch Nässe, die von außen hereingetragen wird, kann gefährlich werden. Heikle Situationen entstehen dabei selten aus böser Absicht. Meist sind Unklarheit, Routine oder Zeitdruck im Spiel. Wenn aber nicht eindeutig gekennzeichnet ist, wo gefahren lauern, gehalten oder gelaufen werden soll, steigt das Risiko für Unfälle schnell. Und wer einen Weg täglich nutzt, nimmt seine Schwachstellen irgendwann nicht mehr wahr.

Mit dem TOP-Prinzip Unfälle sicherer vermeiden

Wirksame Prävention folgt dem TOP-Prinzip! Technische Maßnahmen werden dabei vor organisatorischen und organisatorische vor personenbezogenen Maßnahmen priorisiert. [1.1] Technisch bedeutet, die Umgebung so zu gestalten, dass eine sichere Bewegung leichtfällt. Dazu zählen klare Bodenmarkierungen, die Lauf-, Fahr-, Stell- und Sperrflächen eindeutig trennen, rutschhemmende Beschichtungen und Antirutschmaßnahmen an neuralgischen Stellen. Auch eine kontrastreiche Treppenkanten-Kennzeichnung sowie Kabelbrücken, die Leitungen aus dem Laufweg nehmen. gehören dazu.

Damit eine Kennzeichnung im Ernstfall wirkt, muss sie vier Bedingungen erfüllen. Sie muss eindeutig, gut sichtbar, normgerecht und am richtigen Ort sein. Denn im Ernstfall bleibt keine Zeit für Interpretationen. Eine häufige Schwachstelle ist dabei die Unsicherheit [2.1] [2.2] darüber, welches Zeichen an welcher Stelle erforderlich ist. Problematisch wird es ebenso, wenn die Kennzeichnung veraltet, verschmutzt [3.1] [3.2] oder beschädigt ist, beziehungsweise [4.1] [4.2] nicht mehr zur tatsächlichen Gefährdung passt.

Das TOP-Prinzip lebt vor allem von Kommunikation

Deshalb ist es ratsam, dass eine Kennzeichnung aus der konkreten Gefährdungsbeurteilung abzuleiten ist, anstatt sie nach Bauchgefühl anzubringen. Der Blick fürs Ganze sollte dabei behalten werden, denn wirksam wird Prävention erst im Zusammenspiel aus Schildern, Markierungen und physischen Sicherheitssystemen. Der organisatorische Teil des TOP-Prinzips lebt nicht zuletzt davon, dass kritische Situationen besprochen werden. Jeder Beinaheunfall ist quasi zum Glück ein kostenloses Warnsignal. Wer nach jedem Vorfall prüft, was passiert ist, warum es passiert ist und welche Maßnahme den nächsten Fall verhindert, verwandelt dieses Warnsignal in eine konkrete Verbesserung. So entstehen aus erkannten Risiken zusätzliche Markierungen, bauliche Anpassungen oder veränderte Abläufe.

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