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Stanzen in Deutschland

Tschüss, China!

| Autor: Frauke Finus

Sich gegen eine Produktion in Asien und damit für den Standort Deutschland entscheiden – das bringt beim Stanzen nicht nur Qualitätsvorteile, sondern spart mittlerweile auch Kosten und macht flexibler.

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Die Holzverbinder-Fertigung erfolgt mithilfe zweier Materialstreifen.
Die Holzverbinder-Fertigung erfolgt mithilfe zweier Materialstreifen.
( Bild: GAH Alberts )

Es ist kein Geheimnis, dass viele deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten ihre Produktion ins Ausland verlagert haben. Es war eben einfach wirtschaftlicher. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein: Asien, und hier vor allem China als die Werkbank der Welt, ist preislich gesehen nicht mehr unangefochten attraktiv, denn auch dort steigen die Löhne.

Der Standort Deutschland erlebt eine Renaissance. Das sogenannte „Reshoring“, also die Rückverlagerung von Produktionsstätten, wird für viele deutsche Unternehmen immer interessanter. Im Januar 2014 wurde in der KPMG-Untersuchung Consumer Currents Issue 16 berichtet, dass viele europäische Firmen ihre Produktion wieder nach Hause holen. Nach aktuellen Untersuchungen des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung sowie internen Erhebungen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC verlagern nicht nur immer weniger einheimische Unternehmen ihre Produktion ins Ausland, vielmehr kehrt bereits jeder vierte bis sechste Betrieb wieder nach Deutschland zurück. Grund dafür ist neben so manchem Qualitätsproblem, dass die Kostenvorteile in China sich massiv reduziert haben. Außerdem ist auch mangelnde Flexibilität Auslöser für die Heimkehr deutscher Unternehmen. Ein Beispiel: Der Seeweg von Ostasien nimmt etwa sechs Wochen in Anspruch – in dieser Zeit ist Kapital gebunden und die Flexibilität sinkt.

Zum Beispiel produziert Kettensägen-Hersteller Stihl seit ein paar Jahren wieder zum Großteil im schwäbischen Waiblingen, ebenso wie Stofftier-Riese Steiff wieder in good old Germany nähen lässt.

Good old Germany als Produktionsstandort attraktiv

Auch deutsche Blech- und Rohrbearbeiter fühlen eine neu entflammende Heimatverbundenheit. So auch die GAH Alberts GmbH & Co. KG aus dem sauerländischen Herscheid. Die Besonderheit ist, dass es hier sogar über den „Zurück“-Aspekt hinaus geht. In diesem Jahr wird erstmals überhaupt mit der Produktion von Scharnieren bei GAH Alberts im Haus begonnen.

Der Stanz-Biege-Spezialist fertigt unter anderem Beschläge, Holzverbinder, Tore und Zaunpfosten für den berühmt-berüchtigten Maschendrahtzaun. 1852 gegründet ist der Mittelständler mit 430 Mitarbeitern heute in der 4. Generation in Familienbesitz. Neben der eigenen Produktion gibt es auch den Geschäftsbereich Handel. Bis vor geraumer Zeit wurden die Scharniere von einem deutschen Zulieferer gekauft und unter dem eigenen Namen weiter vermarktet. Dann entschied man sich aus Kostengründen von einem chinesischen Hersteller zu beziehen. In diesem Jahr nun startet die Scharnierfertigung im Sauerland. „Wir holen die Scharniere nach Deutschland, weil wir eine Eigenproduktion mit unserem Wissen und unserer Automatisierung hier bei uns mittlerweile genauso wirtschaftlich, wenn nicht gar noch wirtschaftlicher, gestalten können als wenn wir in China zukaufen. Mit dieser Klappe schlagen wir außerdem noch eine zweite Fliege und die heißt Qualität made in Germany“, erklärt Ludger Beulke, Prokurist und Betriebsleiter bei GAH Alberts. „Außerdem können wir so viel flexibler auf unsere Kunden reagieren, denn wir sind nicht mehr abhängig – weder vom chinesischen Produzenten noch vom Wetter auf See beim Transport hierher.“ Die Kunden, das sind der Fachhandel und zum größten Teil Baumärkte oder baumarktähnliche Strukturen und neuerdings auch Online-Händler wie Amazon. Diese Kunden nehmen in der Regel nicht in großen Mengen ab, um bei sich einzulagern. GAH Alberts hat deshalb immer etwa 6500 Produkte fertig in Herscheid gelagert, um sofort auf Bestellungen reagieren zu können. In einem für einen Mittelständler überdurchschnittlichen großen Logistikzentrum (allein 7000 m2 nur für alles rund um den Zaun) erledigen die Mitarbeiter sprachgesteuert über ein Pick-by-voice-System ihre Aufgaben.

Erweiterung des Maschinenparks im Stanzbereich

Neben dem Stanzen gehört zur Blechbearbeitungskompetenz von GAH Alberts auch Abkanten, Scherschneiden, manuelles und automatisches Schweißen sowie ein Rohrlaser von BLM Adige, auf dem zum Beispiel die Zaunpfosten gefertigt werden. Passend zum Maschendrahtzaun in dunklem grün erstrahlen diese übrigens dank der hauseigenen Pulverbeschichtungsanlage von Wagner.

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Über den Autor

Frauke Finus

Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com

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