Umformtechnik

Von der Dorfschlosserei zum Wegbereiter der Umformtechnik

| Autor / Redakteur: Dietmar Kuhn / Dietmar Kuhn

Schuler stellt im Werk Erfurt die erste Twin-Servo-Presse (TST) vor; sie gleicht einer kleinen Revolution in der Presstechnik.
Schuler stellt im Werk Erfurt die erste Twin-Servo-Presse (TST) vor; sie gleicht einer kleinen Revolution in der Presstechnik. (Bild: Schuler)

Die Umformtechnik ist unzertrennlich mit dem Namen Schuler verbunden. Seit nunmehr 175 Jahren werden in Göppingen, der Wiege des Unternehmens, sowie an weiteren Standorten in Waghäusel, Erfurt, Weingarten, in China und Amerika Pressen für die Blech- und Massivumformung entwickelt, gebaut und installiert.

Die Twin-Servo-Technologie, kurz TST genannt, ist der derzeit jüngste große technologische Wurf der Schuler AG, was die Umformtechnik für Bleche und Teile für die Automobilindustrie angeht. Einen ganz bestimmten Beobachter aus früheren Zeiten würde der „große weiße Kasten“ ins Staunen versetzen.

Politische Umwälzungen ließen die Geschäftstätigkeit stocken

Die Blicke des Mannes würden sich auf die verglasten Türen des Kraftpakets, hinter denen sich das Werkzeug im Gleichtakt auf und ab bewegt, richten. Der Betrachter und Bewunderer würde die harten Schläge vermissen, die bei der Umformung von Blechen bisher als das typische und akustische Merkmal einer Presse galten – er würde es einfach nicht glauben können, dass das, was er sieht, eine Umformpresse sein soll. „Damals“, so beginnt Louis Schuler, „damals, 1839, als ich mein Unternehmen gründete, war das doch alles ganz anders.“

Den Grundstein für die lange Unternehmensgeschichte legte Andreas Schuler 1839 mit dem Kauf einer bestehenden Dorfschlosserei. Sein zweiter Sohn Louis, der 1814 geboren wurde, sollte sich dort als Schlossermeister niederlassen. Wie es sich für einen Schwaben gehört, beherrschte der sein Handwerk perfekt und war deshalb auch – zusammen mit einem Lehrling – recht erfolgreich, sodass sich aus dem Werkstattbetrieb bald ein kleiner Fabrikbetrieb entwickelte, in dem es ständig bergauf ging.

Das Unternehmen musste um 1848 jedoch erste Rückschläge verkraften. Schuler konnte seine Waren nicht mehr wie gewohnt absetzen – die politischen Umwälzungen zu jener Zeit ließen die Geschäftstätigkeit stocken.

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Erste Berührungspunkte mit Werkzeugen für die Blechbearbeitung

Von einer Studienreise – man bedenke – nach Oberndorf am Neckar zurückgekehrt, war Schuler sicher, mit der Produktion von Waffen ein weiteres Standbein gefunden zu haben. Wie sich herausstellte, trugen sie zumindest zur Erhaltung des Unternehmens bei.

Erste Berührungspunkte mit Werkzeugen für die Blechbearbeitung folgten durch die Zulieferungen an die damalige Blechwarenfabrik Rausche. Blech – das schien dem noch jungen Louis Schuler wie auf den Leib geschnitten – und es ließ ihn auch nicht wieder los. Dennoch gab es immer wieder auch herbe Rückschläge, die Schuler aber offensichtlich wenig beeindruckten.

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