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Konferenz Massivumformung

Internationaler Austausch der Umformtechniker

| Redakteur: Annedore Munde

Neben der Vorstellung von Forschungsschwerpunkten ging es am 8. und 9. Mai in der Fellbacher Schwabenlandhalle zur internationalen Konferenz Massivumformung auch um Verschleißreduzierung oder die Nutzung des Leichtbaupotenzials metallischer Verbundwerkstoffe. Die innovativen Produktionsverfahren des Autoherstellers Toyota wurden gleich in mehreren Vorträgen erläutert.

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Prof. Dr. Kondo, Gast-Professor am Toyota Technical Institute, sprach über Net Shaping - das Umformen von Automobilteilen mit geteiltem Werkstofffluss.
Prof. Dr. Kondo, Gast-Professor am Toyota Technical Institute, sprach über Net Shaping - das Umformen von Automobilteilen mit geteiltem Werkstofffluss.
( Archiv: Vogel Business Media )

Etwa 300 Teilnehmer nutzten die Plattform, um sich über Produktentwicklungen sowie neue Techniken und Märkte rund um die Umformtechnik zu informieren. In mehr als 24 Fachvorträgen wurden sowohl aus anwendungstechnischer als auch aus wissenschaftlicher Sicht Markttendenzen dargestellt und produktionstechnische Perspektiven aufgezeigt. Schwerpunkte der Veranstaltung waren beispielsweise werkstück- und verfahrensindividualisierte Maschinen- und Anlagenkonzepte, werkstoffbedingte Verfahrensgrenzen oder Prozesssimulation und Qualitätsmanagement in neu strukturierten Prozessketten.

Die Konferenz, die sich grundsätzlich an Wissenschaftler und Praktiker gleichermaßen wendet, wurde von einem Ausstellerforum sowie einer Podiumsdiskussion begleitet. Themenschwerpunkte der Diskussionsrunde waren die Simulation von Produktionsprozessen, aber auch der verantwortungsvolle Umgang mit Energieressourcen und die Schwierigkeiten bei der Finanzierung der angewandten Industrieforschung. Prof. Dr.-Ing. Matias Liewald, Leiter am Institut für Umformtechnik der Universität Stuttgart, rief abschließend noch einmal dazu auf, das auf der Konferenz entstandene Netzwerk auszubauen und zu nutzen. Im kommenden Jahr wird die Konferenz unter dem Thema „Neuere Entwicklungen in der Blechumformung“ stattfinden

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Preisvergabe durch den Förderkreis Umformtechnik

Erstmals wurden in diesem Jahr vom Förderkreis Umformtechnik zwei Preise verliehen – ein Innovations- und ein Wissenschaftspreis. Damit werden zukünftig jährlich innovative marktfertige Produkte oder effiziente Herstellungsverfahren beziehungsweise herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Umform-technik prämiert. Im nächsten Jahr werden diese Preise dann für die Blechumformung vergeben, um auch für diesen Bereich der Umformtechnik wegweisende Entwicklungen zu identifizieren,diese bekannt zu machen und in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen.

Magnesiumumformung und Bruchvorhersage wurden prämiert

Dr. Maria Kühlein wurde als Vertreterin des Verbundes der ARC Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen GmbH (LKR) und der Neumann Aluminium Fließpresswerk GmbH für ihre Entwicklungen auf dem Gebiet „Kaltfließpressen von Magnesium“ mit dem Innovationspreis des Förderkreises Umformtechnik ausgezeichnet. Bauteile aus Magnesium werden heute in der Automobilindustrie und anderen Industrien in großem Maße eingesetzt, weil sie im Vergleich zu Aluminium ein noch günstigeres Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht besitzen.

Die schlechte Umformbarkeit von Magnesium bei Raumtemperatur hat jedoch bisher dazu geführt, dass die Neumann Aluminium GmbH keine Großserienteile aus Magnesium im Fließpressverfahren hergestellt hat. Erst die Perspektive, Magnesiumfließpressteile bei Raumtemperatur auf konventionellen Fließpressanlagen produzieren zu können, war für das Unternehmen der entscheidende Ausgangspunkt, gemeinsam mit dem LKR ein Entwicklungsprojekt zu diesem Thema durchzuführen.

Dr.-Ing. Dirk Breuer wurde mit dem Wissenschaftspreis des Förderkreises Um-formtechnik für die Untersuchungen ausgezeichnet, die er im Rahmen seiner Dissertation mit dem Titel „Bestimmung des Formänderungsvermögens bei der Kaltmassivumformung“ durchführte. Es gelang erstmals, auf Basis von künstlicher Intelligenz eine qualitativ und auch quantitativ sehr gute Vorhersage einer duktilen Werkstückschädigung bei Kaltmassivumformprozessen zu erzielen.

An Hand von Analogieversuchen konnte gezeigt werden, dass die entwickelte Methode zur Bruchvorhersage sowohl oberflächennahe Schädigungen als auch innenliegende Risse richtig aufzeigt. Außerdem kann das Formänderungsvermögen in Werkstückbereichen, die während der Umformung eine Änderung der Belastungsrichtung erfahren, richtig interpretiert werden.

Unterstützung für die Umformtechnik

Dem Förderkreis Umformtechnik, der am 24. November 1980 als gemeinnütziger Verein gegründet wurde, gehören heute mehr als 50 Mitglieder an. Ziel ist es, die Ausbildung von Studenten auf dem Gebiet der Umformtechnik zu unterstützen sowie die Fort- und Weiterbildung von in der Praxis stehenden Ingenieuren. Der Wissenstransfer vom Institut für Umformtechnik (IFU) der Universität Stuttgart in die Industrie soll genauso gefördert werden wie die Forschung auf dem Gebiet der Umformtechnik am IFU und der Gedankenaustausch zwischen dem Institut und den Mitgliedsfirmen.

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