G+K / Alfi

Kaffee für die Kanzlerin: Tiefziehpresse mit Schlagfunktion

| Autor / Redakteur: Michael Kunkel / Frauke Finus

Auf der Tiefziehpresse von G+K wird unter anderem die „Kanzlerkanne“ gefertigt, die auf den Konferenztischen des Bundeskanzleramtes ihren festen Platz hat.
Auf der Tiefziehpresse von G+K wird unter anderem die „Kanzlerkanne“ gefertigt, die auf den Konferenztischen des Bundeskanzleramtes ihren festen Platz hat. (Bild: Alfi)

Schon viele Jahre hat die „Kanzlerkanne“ ihren Platz auf den Konferenztischen des Bundeskanzleramtes. Damit der Kaffee auch nach Stunden noch schön temperiert ist, steckt in dem Isoliergefäß von Alfi viel Know-how. Eine neue Tiefziehpresse von G+K Umformtechnik macht die Fertigung jetzt einfacher.

Kaffeekanne, Trinkflasche, Sektkühler – Isoliergefäße von Alfi aus dem schönen Taubertal kennt fast jeder. Für die Fertigung der hochwertigen und mehrfach ausgezeichneten Produkte, die nach wie vor made in Germany sind, hat das Unternehmen vor kurzem eine Tiefziehpresse von G+K Umformtechnik aus Niedernberg am Main angeschafft. Das besondere daran: Auf dieser Presse wird unter anderem das Kannenmodell „Juwel“ gefertigt, das auch bekannt als „Kanzlerkanne“ auf den Konferenztischen des Bundeskanzleramtes seinen festen Platz hat. Seit 1918, also seit exakt 100 Jahren, wird „Juwel“ im Sortiment geführt. Für die Herstellung dieses optisch wie technisch hoch anspruchsvollen Gefäßes stehen außergewöhnliche Anforderungen im Raum, die es zu erfüllen gilt.

„Schlagende Argumente für eine neue Presse von G+K waren – fast schon wörtlich zu nehmen – die Technik der Schlagfunktion, die sich kein anderer Tiefziehpressenanbieter zutraute, die räumliche Nähe zu Alfi und überzeugende Referenzen“, erklärt Alfi-Projektleiter Mario Kern. Denn speziell die für die Qualität entscheidenden, extrem unterschiedlichen Arbeitsschritte sollten zusammengefasst und auf der gleichen Maschine durchgeführt werden. Neben den klassischen Tiefziehoperationen wird auf der Anlage auch gestanzt, geprägt und Form geschlagen. All dies geschieht im traditionellen Handeinlegebetrieb, jedoch die Grundlagen für spätere Automatisierung sind gelegt.

Lange Einstell- und Einrichtzeiten eingespart

Die Presse besitzt eine Nennkraft von 600 kN, 60 t, die sich mit höchster Präzision bis auf eine minimale Kraft von 40 kN reduzieren lassen. Dabei besitzt die Maschine einen großen Hub von 1.000 mm bei einer Einbauhöhe von 1.200 mm. Ein Tisch von 800 x 500 mm bietet Raum für jedes einzelne der Bestandswerkzeuge im Unternehmen. Auch die Tiefziehfunktion ist technisch vom Feinsten. Beginnend bei einer Tiefziehkraft von Null lassen sich die Gegenhaltekräfte in Schritten von 100 N bis auf 250 kN bei 300 mm Hub programmieren. Damit realisiert die Maschine Tiefziehoperationen, die bei den anspruchsvollen Platinen für das Kannenjuwel früher nur durch schier endlose Einstell- und Einrichtzeiten erreichbar schienen.

Technisches Highlight der Presse ist jedoch der so genannte Formschlag. In der Vergangenheit wurde dieser spezielle Arbeitsgang auf einer Friktionspindelpresse durchgeführt, um das klassische Design der Kanne mit ihrer charakteristischen Linienführung zur Perfektion zu bringen. Diese für Tiefziehpressen bisher unbekannte Funktion kombiniert eine klassische Tiefziehoperation mit einer für hydraulische Pressen extrem hohen Annäherungsgeschwindigkeit, einem wuchtigen Formschlag. Erst Ziehen, dann Schlagen. „Es ergeben sich in jeder Hinsicht enorme Vorteile, wenn zwei sonst zu trennende Arbeitsgänge in einer Maschine direkt aufeinander folgend automatisch durchgeführt werden“, so Kern.

Für die technische Ausführung der hydraulischen Anlage zeichnet sich der technische Geschäftsführer von G+K, Normen Gröschl, verantwortlich. „Es war eine Herausforderung, all die unterschiedlichen technischen Funktionen mit den sehr hohen Genauigkeitsanforderungen in einer Hydraulikpresse unterzubringen. Bei uns wird jeder Kundenwunsch erfüllt, soweit technisch sinnvoll und umsetzbar.“ Der Hauptzylinder erhält seine enorme Falldynamik durch zwei gegenüberliegend angebrachte Nachsaugventile. Gleichzeitig wird der Pressenkolben durch den neuesten Parker-Pressensicherheitsblock auf Hundertstel Millimeter exakt angesteuert, bei gleichzeitig maximaler Bedienersicherheit.

Alle relevanten Ist-Funktionsdaten im Blick

Ein innerhalb des Zylinders angebrachter Auswerfer mit 50 kN Kraft und 250 mm Hub mit im Zylinder integrierter Wegmessung, auch höchstmöglich präzise ansteuerbar, ist der perfekte Gegenspieler des hydraulischen Ziehkissens. Letzteres ist, entgegen klassischer Bauweise, nicht mit eigenem Pumpenantrieb realisiert, sondern durch indirekte Befüllung beziehungsweise Entleerung über doppeltwirkende Zylindertechnik angesteuert. Selbstverständlich fordern auch hier die grundlegenden Regeln der Arbeitssicherheit eine zweikanalige Ventilüberwachung und einen geprüften Pressensicherheitsblock. Besonders die feinfühlige Ansteuerung dieses unter dem Pressentisch angeordneten Systems sorgt für stets wieder erreichbare Produktqualität bei den von Alfi eingesetzten sensiblen und hochwertigen Materialien.

Zur Bedienung: Die neueste speicherprogrammierbare Steuerung aus dem Hause Siemens, S7-1500, CPU 1516-3 PN/DP mit Visualisierung auf einem 19" Comfort Panel TP1900 erlaubt dem Bediener auf einer graphischen Bedienoberfläche die Eingabe aller funktionsrelevanter Parameter des Umformprogrammes. Während des Betriebes zeigt die großformatige Anzeige alle relevanten Ist-Funktionsdaten. Damit sind auch für den Bediener alle Arbeitsschritte des Umformprozesses nachvollziehbar und übersichtlich dargestellt.

Projektleiter Kern dankte zum Abschluss des Projekts für die sehr gute und partnerschaftliche Betreuung: „Man hatte das gute Gefühl, dass G+K die Presse mit Herzblut für sich selbst baut.“

G+K auf der Euroblech: Halle 27, Stand C150

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