Abkanten

Kleine Biegezelle bietet Automation nach Bedarf

| Autor: Stéphane Itasse

Der Aufbau der Mobile Bending Cell ermöglicht eine schnelle Umstellung vom manuellen auf den automatischen Betrieb und umgekehrt.
Der Aufbau der Mobile Bending Cell ermöglicht eine schnelle Umstellung vom manuellen auf den automatischen Betrieb und umgekehrt. (Bild: Andreas Hultsch)

Von ihren Zulieferern erwarten die Kunden viel Flexibilität. Doch wenn das Layout in der Fertigung dafür geändert werden muss, ist das mit großen Blechbearbeitungsmaschinen nicht immer einfach zu realisieren. Hier punktet bei entsprechenden Stückzahlen eine kleine Biegezelle, die sich auch mal einfach verlagern lässt.

Mit dem Laser hat es angefangen und mit dem Laser wächst das Unternehmen weiter: Seit 1993 ist Ha-Beck als Zulieferer am Markt. Doch mittlerweile wollen die Kunden mehr: Zuerst kam das Abkanten hinzu. „Als wir das im eigenen Haus gemacht haben, konnten wir kürzere Lieferzeiten anbieten“, erläutert der Geschäftsführer Mathias Hasecke. Danach waren auch Gewinde und Fasen für die Blechteile gefragt; heute sind es komplexe Baugruppen, gerade bei kleinen Losgrößen von 30 bis 40 Stück. „Nur die Farbgebung und die Galvanisierung machen wir außer Haus“, sagt er.

Zum Angebot gehören heute Blechbearbeitung und Drahterodieren, auch Baugruppenfertigung und Design sind mit im Portfolio. Die Kunden kommen aus dem Sondermaschinenbau, dem Schwermaschinenbau, der Landmaschinenherstellung, Nutzfahrzeugbau, Automobilindustrie oder dem Baumaschinensektor. „Wo wir in der Automobilindustrie stark sind, ist die Prototypenfertigung“, präzisiert Hasecke. Inzwischen kommen auch immer mehr Aufträge aus der Luftfahrtindustrie dazu, weil Ha-Beck mit seinen Faserlasern Werkstoffe wie Kupfer oder Titan bearbeiten kann. Den Löwenanteil bei den Werkstoffen macht aber immer noch Stahl aus, an zweiter Stelle kommt mit gebührendem Abstand Edelstahl.

Robotereinheit der Biegezelle lässt sich mit dem Gabelstapler bewegen

Es war 2015, als Hasecke mit Bystronic ins Gespräch kam. „Ursprünglich wollten wir uns nach neuen Lasermaschinen umsehen und dann stand plötzlich eine kleine Biegemaschine da“, sagt er über die Anschaffung der Mobile Bending Cell.

Diese Biegezelle hat Bystronic aus zwei Teilen aufgebaut: Der eine ist die Abkantpresse Xpert 40, der andere der Mobile Bending Robot. Die Xpert 40 ist mit 1030 mm Biegelänge ganz auf Kleinteile ausgerichtet – und kommt damit selbst nur auf einen Platzbedarf von 1520 mm × 1584 mm und ein Gewicht von 4 t. Mit einem 7,5 kW starken Hauptantrieb erreicht sie 40 t Presskraft, eine maximale Eilganggeschwindigkeit von 300 mm/s und eine maximale Arbeitsganggeschwindigkeit von 25 mm/s.

Der Mobile Bending Robot kommt seinerseits einschließlich Biegeteilrutsche für die fertigen Teile auf eine maximale Länge von 1891 mm und mit der Tür und der Verbindung zur Maschine auf maximal 2823 mm Breite, bei einem Gewicht von 1 t. „Damit hat die Robotereinheit Platz auf einer Palette und lässt sich mit dem Gabelstapler bewegen“, erläutert Hasecke. „Die Teilegröße für den Roboter kann bis zu 350 mm × 650 mm erreichen“, erläutert Maximilian Fulsche, Gebietsverkaufsleiter bei Bystronic. Der Roboter hat eine Tragkraft von insgesamt 10 kg; zieht man das Greifergewicht ab, bleiben circa 7 kg für das Teilegewicht. Alles in allem ist die Mobile Bending Cell nach Ansicht von Hasecke eine sinnvolle Ergänzung jeder Blechfertigung.

„Der Trend geht eindeutig zur Biegeautomatisierung“

Denn für den Ha-Beck-Geschäftsführer ist die Richtung klar: „Der Trend geht eindeutig zur Biegeautomatisierung. Die Mitarbeiter müssen aber keine Angst haben – die Maschinen müssen ja auch programmiert werden“, sagt er. Mit der Mobile Bending Cell, die seit 2017 in seinem Unternehmen steht, unterstreicht er diese Entwicklung. Tagsüber arbeitet die Anlage als zusätzlicher Mitarbeiter, „nachts hält sie die Stellung“.

Auch wenn die Automatisierung nach Haseckes Ansicht Arbeitsplätze kostet – er benötigt weiterhin jeden Mitarbeiter – der Fachkräftemangel ist auch in Thüringen ein Thema. „Die großen Unternehmen, die wachsen, ziehen dem Mittelstand die Fachkräfte ab“, berichtet Hasecke. Seine Reaktion darauf: Selbst die Fachleute heranziehen, auch wenn sie vorher in anderen Branchen gearbeitet haben. „Wichtig ist, dass das Interesse da ist“, sagt er. Und natürlich braucht er dafür die Unterstützung der Maschinenbauer durch Schulungen – ein Grund, weshalb er zu Bystronic hält. „Was nützt mir die beste Maschine aus Fernost, wenn ich keine Schulung dafür bekomme?“ sagt er.

Überhaupt legt Hasecke Wert auf einen engen Kontakt zum Hersteller. Das fängt bereits beim Kauf einer Maschine an: „Schon da sind Modifizierungen und Produktverbesserungen eingeflossen, gerade bei der Robotik.“ Von den Veränderungen an der Maschine würden beide Seiten profitieren: der Zulieferer, der das benötigte Teil nun anbieten kann, und der Maschinenbauer, der die Verbesserungen nun auch anderen Kunden vorschlägt.

Automatischer Werkzeugwechsel muss sich auch rechnen

Bei aller Automatisierung verzichtet Hasecke aber bisher auf eine Funktion: den automatischen Werkzeugwechsel. „Die Frage ist immer: Wie oft rüste ich?“, erläutert der Geschäftsführer. Er denkt eher daran, eine große Abkantpresse aus dem Jahr 2006 zu ersetzen und die neue Maschine mit einem automatischen Werkzeugwechsler auszurüsten. „Das Ganze muss natürlich bezahlbar sein“, stellt Hasecke klar.

Dadurch, dass die beiden Teile der Mobile Bending Cell klein und beweglich sind, lässt sie sich schnell beiseite räumen. „Wenn ich sie gerade nicht brauche, stelle ich die Biegezelle in eine Ecke. Wenn sie dann aktiviert werden soll, ist sie im Handumdrehen auch einsatzbereit“, berichtet Hasecke. Zudem lässt sie sich mit diesen Eigenschaften schnell vom automatisierten auf manuellen Betrieb oder umgekehrt modifizieren. „Der An- oder Abkoppelungsprozess dauert 10 min“, sagt Hasecke. Wenn es die Komplexität der Teile zulässt, werden bei Ha-Beck Losgrößen bis etwa 100 manuell bearbeitet, ab 200 eher mit dem Roboter. „Besonders bei Stückzahlen von 5000 oder 8000 ist der Roboter interessant – so eine monotone Aufgabe kann man ja keinem Mitarbeiter zumuten“, erläutert Hasecke. Hingegen ist eine abwechslungsreiche Tätigkeit mit Programmieren, Einrichten und Bedienen auch für den Beschäftigten ein Anreiz.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Ausklappen
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Ausklappen
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45393000 / Umformen)

DER BRANCHENNEWSLETTER Newsletter abonnieren.
* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.

Whitepaper

Leitfaden DSGVO

B2B-Vertrieb und Kaltakquise DSGVO-konform gestalten

Wie kann die B2B-Vertriebsarbeit optimal mit der DSGVO vereint werden? Wo sind die Grenzen und welche Chancen bietet die neue Gesetzeslage? Antworten auf diese Fragen und weitere Insights zur DSGVO in Verbindung mit dem B2B-Vertrieb, finden Sie hier. lesen

Kompendium Leichtbau 2018

Ideen für den Leichtbau sammeln

Leichtbau bedeutet, das Verhältnis zwischen Belastbarkeit und Gewicht einer Konstruktion zu vergrößern um Energie und Material einzusparen oder Kosten zu senken. Wir haben in diesem Kompendium die meist gelesenen Artikel zum Leichtbau zusammengefasst lesen

Technologietrends 2018

Die Top Technologietrends für 2018 in der Industrie - Teil 2

In den schnelllebigen Zeiten der Digitalisierung ist es häufig schwer, am Puls der Zeit zu bleiben. Lesen Sie jetzt, welche weiteren 7 Trends dieses Jahr im Fokus der Industrie stehen. lesen