Abkantpressen Roboter-Abkantpresse mit ergonomischer Touchscreen-Steuerung

Autor / Redakteur: Ralph Schiffler / Annedore Munde

Die I-Brake war unbestritten eine der auffälligsten Neuerscheinungen des vergangenen Jahres – und das weniger wegen der ungewöhnlichen Farbgebung, als vielmehr aufgrund des hohen Automatisierungsgrades. Wobei eine konkrete Klassifizierung der Innovation schwer fällt: Denn weder ist die I-Brake ein Biegezentrum im klassischen Sinne, noch eine gewöhnliche Roboter-Abkantpresse. Safan selbst spricht als Entwickler bescheiden von einer intelligenten Roboter-Abkantpresse.

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Ihnen als Leser dieses Beitrags und potenziellem Anwender der I-Brake dürfte die Klassifizierung zurecht eher egal als wichtig sein. Denn unter dem Strich ist für Sie nur interessant, dass Ihre Bauteile in der geforderten Qualität zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind und auf dem Weg dorthin möglichst wenig Produktionskosten verursacht werden. Ob die I-Brake vor diesem Hintergrund das von Safan Versprochene und mithin letztlich Ihre (hohen) Erwartun-gen erfüllen kann, mögen wir nicht beurteilen. Aber interessant ist die Anlage unbestritten.

Die Safan B.V. selbst begründet ihre jüngste Innovation vor dem Hintergrund eines wachsenden Kostendrucks, der Unternehmen dazu zwinge, den Lohnkostenanteil auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Denn, so die Überzeugung: „Je mehr sich automatisieren lässt, desto weniger anfällig wird das Unternehmen.“ Oft erfordere eine Automatisierung jedoch große Investitionen, heißt es dort weiter. Zudem erhöhe sich der Schwierigkeitsgrad der Bedienung, so dass letztlich größere Serien als Basis der Amortisation erforderlich seien.

Trägt Anwendbarkeit für kleinere Serien Rechnung

Und genau jenen Makel der Automation hat Safan zum Anlass genommen, alle vorhandenen Lösungen zu überdenken und mithin auch sich selbst in Frage zu stellen. Selbsterklärtes Ziel war es dabei, eine Lösung zu entwickeln, die den Erfordernissen sowohl der Produktivität und Benutzerfreundlichkeit als auch der Anwendbarkeit für kleinere Serien gleichermaßen Rechnung trägt. Nun – auch wenn das knallige Grün nicht jedermanns Fall sein dürfte, die Antwort wurde jedenfalls in einer intelligenten Roboter-Abkantpresse gefunden, die von Safan sogleich überschwänglich gefeiert wurde. „Indem links und rechts in der neu entworfenen Maschinenkonstruktion mit servoelektrischem Antrieb die Twin-Robots“ eingebaut wurden, habe man eine neue Roboter-Abkantpressengeneration geschaffen, hieß es zur Premiere während der Euroblech. So biete das I-Brake-Konzept eine Vielzahl einzigartiger und mithin bahnbrechender Vorteile im Vergleich zu einer konventionellen Abkantpressen/Roboter-Kombination.

Vor allem zielt dieses Statement auf die hohe Flexibilität der beiden interagierenden Roboter. Denn die Roboterarme können simultan arbeiten. Und es lassen sich in einem einzigen Zyklus zwei Produkte gleichzeitig biegen, wodurch sich die Produktivität glatt verdoppelt. Darüber hinaus ist es möglich, die Roboterarme zusammenarbeiten zu lassen: Ein Roboter führt das Blech und der andere übernimmt das Blech zum Biegen. Last but not least können beim Biegen langer Profile beide Roboter perfekt zusammen agieren und so das Blech während des Biegevorgangs optimal führen.

Konstruktion bringt logistische Vorteile

Die Roboterarme der I-Brake sind waagerecht im Gestell befestigt, wodurch der Fußboden vor der Abkantpresse für die Paletten mit den zu biegenden Blechen benutzt werden kann. Ein weiterer logistischer Vorteil entsteht durch die Möglichkeit, dass die Roboter das gebogene Produkt direkt durch die Maschine hindurchführen und an der Rückseite stapeln. Das I-Brake-Konzept führt also zu einer enormen Platzeinsparung. Über eine Schnittstelle lässt sich die I-Brake zudem an automatisierte Lagersysteme koppeln, die Paletten an- und abtransportieren.

Allerdings würde jede noch so gute Ambition zur Automation im Bereich kleiner Losgrößen schnell zur Makulatur, wenn nicht auch das Bedienkonzept entsprechend auf diese speziellen Anforderungen zugeschnitten wäre. Ist es aber. Oder besser: soll es sein (schließlich hat unsereiner noch nicht an der Anlage gearbeitet). Safan jedenfalls setzt dabei auf via Touchscreen zu bedienende Steuerungen, die es (wir zitieren) „jeder Bedienungskraft“ ermöglichen soll, die Anlage durch die Produktionspläne zu steuern.

Programmierung schnell erledigt

Und nicht nur das. „Bei der Steuerung handelt es sich“, (O-Ton Safan) „um eine einzigartige Mensch-Maschinen-Schnittstelle, mit der sich die zu biegenden Produkte in einfacher Weise graphisch programmieren lassen.“ Dazu würden aus den bereitgestellten CAD-Daten alle Achsen-bewegungen generiert – und schon sei die Maschine produktionsbereit. Unter dem Strich soll die Programmierung der I-Brake dann keinen größeren Zeitaufwand als bei einer herkömmlichen Abkantpresse erfordern.

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Unterstützt wird der Bediener bei seiner Arbeit laut Safan durch eine „intelligente“ Eigenschaft der Touchscreen-Steuerung, die ausschließlich jene Schaltflächen anzeigt, die in der jeweiligen Bedienungsphase erforderlich sind. Darüber hinaus ist die Steuerung im Standard mit einem 100-MB-Ethernet-UTP-Netzwerkanschluss ausgestattet. Auf dieser Basis soll sich das I-Brake-System unter anderem anhand einer „selbst lernenden“ Datenbank, in der die Daten von Materialien, Werkzeugen und früheren, bereits korrigierten Biegungen gespeichert werden, ausgesprochen schnell und genau programmieren lassen.

Übrigens und abschließend: Auf Wunsch kann die I-Brake mit einem integrierten Werkzeug- beziehungsweise Greiferwechselsystem ausgestattet werden. Damit würde die I-Brake dann endgültig zum hochautomatisierten Biegesystem.

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