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Studie

Zulieferer-Insolvenzwelle bringt Maschinenbau in Gefahr

| Redakteur: Stéphane Itasse

In der Automobilindustrie sowie im Maschinen- und Anlagenbau, rollt 2010 eine Insolvenzwelle auf kleinere und mittlere Zulieferer zu. Dies bringt erhebliches Gefährdungspotenzial für die Abnehmer mit sich, das bislang nur bedingt systematisch adressiert wird, wie die Unternehmensberatung Oliver Wyman in einer Studie ermittelt hat.

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Maschinenbauer müssen aufpassen, dass sie durch eine Insolvenzwelle bei Zulieferern nicht plötzlich ohne Teile dastehen, so die Unternehmensberatung Oliver Wyman. Bild: obs/Heidelberger Druck
Maschinenbauer müssen aufpassen, dass sie durch eine Insolvenzwelle bei Zulieferern nicht plötzlich ohne Teile dastehen, so die Unternehmensberatung Oliver Wyman. Bild: obs/Heidelberger Druck
( Archiv: Vogel Business Media )

Über Kurzarbeit sowie Auftrags- und Finanzpolster hätten sich in den vergangenen Monaten viele kleinere und mittlere Zulieferer am Leben erhalten. Doch einigen dieser Unternehmen würden jetzt die finanziellen Mittel ausgehen. Die Studie „Risikomanagement im Einkauf“ zeigt laut einer Mitteilung der Unternehmensberatung vom Mittwoch, dass viele Unternehmen auf Beschaffungsrisiken bisher nur unzureichend vorbereitet sind.

Lieferanten-Risikomanagement bringt Wettbewerbsvorteile

Noch wichtiger als 2009 werde es in den nächsten Jahren sein, sich mit einem Lieferanten-Risikomanagement gegen negative Effekte zu schützen. Zudem könnten sich Unternehmen durch die Risikoabsicherung Wettbewerbsvorteile für den kommenden Aufschwung verschaffen. Für die Studie befragten die Unternehmensberater in Europa und Nordamerika 150 Entscheidungsträger aus verschiedenen Branchen, heißt es.

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In den vergangenen 12 Monaten habe es in der deutschen Automobilzulieferindustrie fast wöchentlich neue Insolvenzfälle gegeben. Bislang sei der Ausfall einzelner Teile und Komponenten bei den Automobilherstellern noch kompensiert worden. Gemeinsame Aktionen der Hersteller in Zeiten gedrosselter Produktion würden hier den nötigen Spielraum schaffen. Auch im Maschinen- und Anlagenbau habe sich die Zahl der Insolvenzen in den vergangenen Monaten im Vergleich zu 2008 auf durchschnittlich rund 30 Insolvenzen pro Monat fast verdoppelt.

Die Studie sagt eine Verschärfung der Situation für 2010 voraus, wie Oliver Wyman weiter mitteilt. Die Unternehmensberatung erwartet in Deutschland für das Jahr 2010 rund 70 bis 100 Insolvenzen alleine bei Automobilzulieferern.

Insolvenzwelle wird Maschinenbau besonders hart treffen

Noch härter als die Automobilzulieferindustrie wird die Insolvenzwelle den deutschen Maschinen- und Anlagenbau treffen, wie die Unternehmensberatung prognostiziert. Hier sei Single-Sourcing, bei dem ein Zukaufteil nur von einem Zulieferer bereitgestellt wird, weit verbreitet. Zudem habe die Finanz- und Wirtschaftskrise den Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2009 mit Einbrüchen des Auftragseingangs von teilweise mehr als 50% besonders hart getroffen.

Die Unternehmensberatung prognostiziert für den Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2010 daher mehr als 500 Insolvenzen, vor allem von kleinen und spezialisierten Unternehmen. Wie ein Dominoeffekt könnten einzelne Unternehmenszusammenbrüche dann ganze Industriesegmente gefährden, die ansonsten gesund sind.

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