Weiterbildung in der Kurzarbeit Automobilzulieferer ZF Lemförder qualifiziert Mitarbeiter im Bildungsverbund

Redakteur: Jürgen Schreier

Viele Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie haben die Krise als Chance begriffen und ihre Mitarbeiter für die Zeit danach weiterqualifiziert. Mit einem regelrechten Bildungsverbund hat die ZF Lemförder GmbH ein besonderes Modell entwickelt.

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Viele Frauen nutzen bei ZF die Weiterbildungsangebote, um sich vor allem in technischen und handwerklichen Fähigkeiten zu schulen. Bild: Gesamtmetall
Viele Frauen nutzen bei ZF die Weiterbildungsangebote, um sich vor allem in technischen und handwerklichen Fähigkeiten zu schulen. Bild: Gesamtmetall
( Archiv: Vogel Business Media )

„Viele haben uns prophezeit, dass wir es nicht schaffen würden – sie alle haben sich geirrt.“ Karl-Josef Hüter, Geschäftsführer der ZF Lemförder GmbH, wirkt sichtlich zufrieden, aber auch ein wenig stolz bei diesem Satz. Und das hat durchaus seine Berechtigung.

Denn was das Tochter-Unternehmen der ZF Friedrichshafen AG, einem der weltweit führenden Automobilzulieferer, im Krisenjahr 2009 bei der Weiterbildung auf die Beine gestellt hat, ist außergewöhnlich. Rund 2000 von etwa 3000 Mitarbeitern wurden in diesem Zeitraum qualifiziert.

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ZF Lemförder nutzt Kurzarbeit zur Weiterbildung

Dabei war das Bildungsprogramm bei der ZF Lemförder GmbH, deren Firmensitz sich in Lemförde am Dümmersee, nordöstlich von Osnabrück, befindet, alles andere als von langer Hand geplant. Als sich 2008 die ersten Auswirkungen der Krise bemerkbar machten, gingen die Verantwortlichen erst noch davon aus, „dass das mit Ausnutzung der Stundenkonten, dem Abbau von Resturlaub und der Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit zu machen sei“. Doch wenige Wochen später brachen dann die Umsätze – und dabei traf es die Automobilbranche besonders hart – quasi von einem Tag auf den an-deren dramatisch ein.

„Uns war zu diesem Zeitpunkt sofort klar“, blickt Hüter zurück, „dass wir die Krise nur mit dem massivem Einsatz von Kurzarbeit meistern konnten, die wir aber nutzen wollten.“ Vor diesem Hintergrund vereinbarten Geschäftsführung und Betriebsrat direkt im Januar 2009, mindestens 50% der anstehenden Kurzarbeitszeit mit Qualifizierungsmaßnahmen zu belegen.

Weiterbildung wurde verpflichtend gemacht

„Und das vor allem sinnvoll“, sagt Hüter, „denn die Mitarbeiter sollten keinesfalls den Eindruck bekommen, dass es sich hier um eine Art Beschäftigungstherapie handelt.“ Geschäftsführung und Betriebsrat stellten daher auch von Anfang an klar, dass die Weiterbildung verpflichtend sei. Das größte Problem dabei: Wie organisiert man Weiterbildungsprogramme für mehr als 2000 Mitarbeiter, die an sechs Produktionsstätten verteilt sind und sich zudem noch in zwei verschiedenen Bundesländern (Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen) befinden?

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