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Lochbleche

Die Architektur entdeckt das Lochblech als Designobjekt

| Autor/ Redakteur: Stefanie Michel / Stefanie Michel

Robuste Sitze in Flughäfen, bewegliche Lamellen als Sonnenschutz vor Bürofenstern oder glänzende Aluminiumfassaden: Lochbleche als Objekte für Design und Architektur rücken immer mehr in den Vordergrund. Die Bauteile bieten Sicht- und Brandschutz, sind schalldämpfend und langlebig.

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Für die Fassade neuer Audi-Terminals entstehen Lochblechfassaden aus eloxierten, gekanteten Aluminiumlochblechen.
Für die Fassade neuer Audi-Terminals entstehen Lochblechfassaden aus eloxierten, gekanteten Aluminiumlochblechen.
( Bild: Dillinger Fabrik gelochter Bleche )

Unweigerlich beherrscht das riesige Areal der Dillinger Hütte das Bild, wenn man von der Autobahn, Abfahrt Hafen, in die Stadt kommt. Bereits im 17. Jahrhundert entstand mit Genehmigung von Ludwig XIV. diese Eisenhütte, die allerdings erst im 19. Jahrhundert mit der Blechproduktion sichtbar wuchs. Im Zuge dieses Aufschwungs entstanden bedeutende Metall verarbeitende Betriebe – darunter auch die Dillinger Fabrik gelochter Bleche.

Größter Einsatzbereich für Lochbleche ist der Maschinenbau

Das Bergwerk brauchte Siebe. So entstand eine Firma, die nicht nur Lochbleche herstellte, sondern auch eine Gießerei und einen Weichenbau für die Eisenbahn hatte.

Bis heute stellt die Dillinger Fabrik gelochter Bleche Siebe zum Separieren von Bauschutt oder Erde her, aber auch Filterrohre für die chemische Industrie, für Abgassysteme oder für Airbags. Hinzu kommen Bauteile für die Elektronikindustrie und die Medizintechnik. Den größten Einsatzbereich für die Lochbleche gibt es im Maschinenbau, ein großer Anteil wird auch in der Elektronik eingesetzt. In den letzten Jahren hat sich allerdings ein weiterer Anwendungsbereich stetig weiterentwickelt: die Architektur.

Lochblech als Brand- und Sichtschutz in der Architektur

Schon jetzt haben Architekturprojekte beim Lochblechhersteller einen Anteil von 20 bis 25 % – mit steigender Tendenz. Kunden sind meist Unternehmen oder kommunale Infrastruktureinrichtungen. „Wenn man sich große Neubauten im Infrastrukturbereich, wie beispielsweise Bahnhöfe, ansieht, dann werden Lochbleche eingesetzt: zum einen wegen der Akustik, zum anderen für die Decken als Brandschutz und als Sichtschutz für die Elektrik und die Sprinkleranlagen“, erklärt Hans-Ulrich Koch, geschäftsführender Gesellschafter bei der Dillinger Fabrik gelochter Bleche. „Solche Lochblechdecken sind langlebig, bieten Schutz vor Vandalismus und sie erfüllen alle Auflagen.“

Komplettfassade der BMW Welt mit Lochblechen gestaltet

Die Dillinger Fabrik gelochter Bleche, nach eigenen Angaben größter Hersteller von Lochblechen in Deutschland, kann namhafte Referenzen vorweisen: So wurde beispielsweise die Komplettfassade der BMW Welt in München auf über 20.000 m² aus Edelstahl-Lochblechen gestaltet, die Fassaden neuer Audi-Terminals bestehen aus aufwendig gekanteten Aluminiumlochblechen, der U-Bahnhof Lohring in Bochum erhielt eine Schallschutzdecke aus mikroperforierten Aluminiumlochblechen und für das Thyssen-Krupp-Center in Essen lieferte das Unternehmen ein Sonnenschutzsystem.

Sonnenschutz: ein Spiel mit Licht und Schatten

„Wenn solche Objekte ausgestattet werden, dann steht immer die Optik im Vordergrund“, so Koch. Doch neben der Optik können Lochbleche auch durch ihre Funktionalität überzeugen. So dienen verfahrbare und verstellbare Aluminiumlamellen einerseits als Sonnenschutz. Zudem wird auch durch die geringere Lichteinstrahlung weniger Energie ins Gebäude eingebracht. Andererseits ist Lochblech besonders von Weitem immer ein Sichtschutz, wie die Fassade der BMW-Welt zeigt..

Lochbleche kommen allerdings nicht nur an den Außenfassaden zum Einsatz; auch in der Innenausstattung öffentlicher Räume und Büros spielen sie eine immer größere Rolle. Gerade Designobjekte wie Lampen, Geländer, Regale oder Sitzmöbel werden in unterschiedlichsten Lochungen aus poliertem Edelstahl hergestellt. Eine besonders wichtige Funktion übernehmen Raumteiler aus Lochblechen, denn sie absorbieren Schall und sind somit für viele Großraumbüros unverzichtbar. Ein Trend sind entsprechende Büromöbel, die Lochbleche zur Schallreduktion bereits als Rückwand nutzen.

Auf Breit- und Streifenpressen unterschiedlichste Materialien lochen

Die Vielfalt der Lochbleche und ihrer Einsatzbereiche ist also groß. Doch wie fertigt ein Unternehmen, das als Gruppe etwa 350 Mitarbeiter in Europa beschäftigt, ein solches Produktportfolio? Zunächst werden in der Dillinger Fabrik gelochter Bleche im Werk 1 pro Jahr etwa 16.000 t Vormaterial verarbeitet. Um alle technisch machbaren Lochungen durchzuführen, stehen im Dillinger Werk neben den notwendigen Richtmaschinen leistungsfähige Breit- und Streifenpressen sowie Laserschneidanlagen von Trumpf zur Verfügung. Damit lassen sich alle Stähle, NE-Metalle und Kunststoffe bis zu einer Materialdicke von 30 mm, auf der Lasermaschine bis zu 25 mm Edelstahl, verarbeiten.

Mit sechseckige Lochung Sonderwunsch von Audi realisiert

„Die Breit- und Streifenpressen sind typisch für die Lochblechindustrie“, berichtet Hans-Ulrich Koch. „Unsere größte Streifenpresse hat eine Druckkraft von 315 t. Die Breitpressen haben sogar bis zu 500 t Druckkraft und arbeiten ziemlich schnell.“ Mit bis zu 600 Hüben pro Minute wird dort direkt vom Coil gelocht. Die Lochwerkzeuge stammen aus dem eigenen Werkzeugbau, sodass auch kundenspezifische Wünsche, wie beispielsweise die sechseckige Lochung für die Audi-Lochbleche, realisiert werden können. Im Werk 2 werden die Lochbleche weiterverarbeitet bis hin zu vollständigen Baugruppen – einer der Stärken des Dillinger Unternehmens. Hier wird geschweißt, gekantet und umgeformt.

Dafür kommen unter anderem eine Roboterschweißanlage und ein vollautomatisches Abkantzentrum zum Einsatz. Getrennt von den anderen Prozessen findet die Edelstahlverarbeitung statt, um möglichst wenig Verschmutzung einzubringen.

Lochblechprodukte helfen, der Umweltverschmutzung vorzubeugen

Lochblech im Trend – keine Frage. Doch warum? Das weiß Hans-Ulrich Koch: „Lochblech ist grün.“ Unter diesem Motto und den Schlagworten „recycelbar“, „energieschonend“ und „abwasserschonend“ steht das gesamte Handeln und Produzieren seines Unternehmens. „Wir fertigen Produkte, die man einbauen kann, um der Umweltverschmutzung vorzubeugen oder auch um den Energiebedarf zu reduzieren“, so Koch.

Das Werk besitzt beispielsweise eine eigene Entfettungsanlage auf wässriger Reinigungsbasis, in der sowohl Bleche als auch kleinere Baugruppen entfettet werden können. Außerdem lassen sich die Lochbleche selbst meist zu fast 100 % recyceln und über ihre gesamte Lebensdauer zeigen sie eine gute Ökobilanz. Lochblechanwendungen in Architektur und Bau hingegen reduzieren den Energieverbrauch von Gebäuden, indem sie als Sonnenschutz oder auch als Brennerrohre in Heizungen eingesetzt werden. Der Zukunft der Lochbleche steht also sowohl in Architekturanwendungen als auch in den ebenso wachsenden Bereichen Medizintechnik und Elektronik nichts im Wege.

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