Umformtechnisches Kolloquium Flexiblere Prozesse in der Umformtechnik

Redakteur: Stefanie Michel

Schnellere Produktentwicklung, kürzere Produktlebenszyklen – auf diese veränderten Gegebenheiten muss sich auch die Umformtechnik einstellen. Deshalb stand das Thema Flexibilität beim zweitägigen 11. Umformtechnischen Kolloquium in Darmstadt im Vordergrund und wurde auch branchenübergreifend beleuchtet.

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„Früher haben wir einmal am Tag die Werkzeuge gerichtet, heute wechseln wir 10 mal“, so Dr. Josef Meinhardt von BMW. (Bild: Michel)
„Früher haben wir einmal am Tag die Werkzeuge gerichtet, heute wechseln wir 10 mal“, so Dr. Josef Meinhardt von BMW. (Bild: Michel)

Forschungsinstitute wie das Institut für Produktionstechnik und Umformmaschinen (PtU) der TU Darmstadt und die Forschungsabteilungen von Halbzeugherstellern präsentierten zudem die aktuellen Trends aus der Werkstoffentwicklung sowie aus der Entwicklung in der Umformtechnik.

Der Beginn der Veranstaltung widmete sich der Flexibilität in der Produktion. Wie Meinolf Röwekamp, Fertigungsleiter bei Miele, erklärte, sind in der Umformtechnik deshalb Volumenflexibilität, Variantenflexibilität und Nachfolgeflexibilität nötig – flexible Pressenstraßen also, mit denen auch Nachfolgeprodukte optimal produziert werden können. Doch um flexibel zu produzieren, müssen auch die entsprechenden Verfahren zum Einsatz kommen.

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Bei sinkenden Stückzahlen werden umformtechnische Verfahren immer interessanter

So bemerkte Prof. Gunther Reinhart vom Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften der TU München, dass sich bei hohen Stückzahlen und kurzen Taktzeiten beispielsweise das Tiefziehen bewährt hat, doch bei einer Bauteiländerung auch die Werkzeuge und die Prozessparameter geändert werden müssen. „Vor dem Hintergrund sinkender Stückzahlen bei der Nutzung konventioneller Umformverfahren gewinnen umformtechnische Verfahren, mit denen die Flexibilität und Wandlungsfähigkeit der Produktionssysteme erhöht werden können, stark an Bedeutung“, so Reinhart.

Beispiele aus den unterschiedlichsten Industriezweigen zeigten, was Flexibilisierung in ihren Anwendungen bedeutet. Besonders deutlich wurde das im Presswerk von BMW: Aufgrund der hohen Variantenvielfalt in der Produktpalette sind häufige Rüstzeiten nötig, wie Dr. Josef Meinhardt von BMW erläuterte: „Früher haben wir ein Mal am Tag die Werkzeuge gewechselt, heute wechseln wir zehn Mal. Das geht aber nur, wenn die Rüstzeiten so knapp sind.“ Das erreicht BMW mit den Servopressen von Schuler in wenigen Minuten.

Flexible Produktion macht Presswerke erfolgreich

Auch für Daimler spielt die Flexibilität eine große Rolle, wie Dr. Dirk Hortig berichtete. Dabei spiele auch die Kosteneffizienz eine Rolle, die wiederum von der Prozessrobustheit und Materialausnutzung beeinflusst werde. Nur eine flexible Produktion mache Presswerke auch in der Zukunft erfolgreich.

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