Viessmann / Arku

Kürzere Durchlaufzeiten beim Richten und Querteilen

| Autor / Redakteur: Benoît Wolff / Frauke Finus

Die Doppelwendehaspel verkürzt Stillstandzeiten beim Coilwechsel und Umrüsten um mehrere Minuten.
Die Doppelwendehaspel verkürzt Stillstandzeiten beim Coilwechsel und Umrüsten um mehrere Minuten. (Bild: Arku)

Aus wuchtigen Bandstahlrollen fertigt Viessmann Gehäuseteile für hochwertige Heizsysteme. Dazu durchläuft das Band unterschiedliche Prozesse – unter anderem eine Querteilanlage, die verschiedene Maschinen vereint. Kurze Durchlaufzeiten und hohe Blechqualität gehören zu den Kernanforderungen. Um diesen gerecht zu werden, investierte Viessmann in eine Anlage von Arku.

Wärmepumpen, Heizkessel und Brenner gehören unter anderem zum Komplettangebot der Viessmann Group. Weitere Geschäftsfelder umfassen Industrie- und Kühlsysteme. Die gefragten Lösungen fertigt die 12.000 Mitarbeiter starke Unternehmensgruppe an 23 Standorten weltweit. Der Stammsitz befindet sich im hessischen Allendorf. Hier widmen sich die Viessmann Werke ganz der Fertigung unterschiedlichster Wärmeerzeuger. Neben Wärmepumpen und Heizkesseln gehören auch Kraft-Wärme-Kopplungs-Systeme dazu. In Allendorf entstehen viele Komponenten dieser Produkte, von der Mechanik bis zur Verkleidung. Design-, Träger- und Rahmenteile schneidet das Unternehmen aus Coils zurecht.

Die Anforderungen an diese Zuschnitte sind umfassend. Und das gleich auf mehreren Ebenen: „Aufgrund unseres breiten Portfolios fertigen wir viele Zuschnitte“, erläutert Christoph Eberhardt, Projektleiter bei Viessmann. „Aus verschiedenen Gründen wollen wir den Lagerbestand möglichst geringhalten. Weil die nachfolgende Produktion nicht Stocken darf, müssen die Bleche in kleinen Losgrößen zügig und fehlerfrei gefertigt werden“, so Eberhardt weiter. Just-in-time lautet die Maxime, nach der Viessmann interne Abnehmer beliefert. Das setzt kurze Rüstzeiten und reibungslose Abläufe voraus – vor allem bei der Querteilanlage.

Neben der schnellen Fertigung spielt die Oberflächenqualität eine wichtige Rolle. Nur fehlerfreie Zuschnitte vereinfachen nachgelagerte Prozesse wie Abkanten und Pulverbeschichten. „Bei Heizkesseln oder Wärmepumpen zählt heute nicht nur die Leistung. Optik und Design sind genauso wichtig. Schließlich befinden sich die Produkte oft in Sichtnähe der Endkunden. Diese setzen sie häufig im Außen- und Wohnbereich ein“, erläutert Eberhardt.

Coilwechsel in weniger als zehn Minuten

Doch die in die Jahre gekommene Querteilanlage bei Viessmann arbeitete zu langsam. Außerdem hatte sie gelegentlich Aussetzer. „Nicht selten klemmten Bleche, sodass unsere Bediener kiloschwere Teile händisch entfernen mussten“, erinnert sich Anlagenbediener Fabian Inacker. Zeitintensive Stillstände waren die Folge. Viessmann suchte deshalb nach einer Lösung, die schneller und zuverlässiger arbeitet. Insbesondere die Coilwechsel sollten künftig weniger als zehn Minuten dauern. Bei der Recherche geeigneter Anbieter stieß das Unternehmen bald auf Arku. „Das breite Sortiment an Querteilanlagen machte uns gleich neugierig“, berichtet Eberhardt.

Es galt vor allem, eine platzsparende Lösung für die bestehende Produktionshalle zu finden. Arku hatte dafür ein offenes Ohr und ging auf sämtliche Wünsche ein. In Baden-Baden konzipierte und baute das Unternehmen die neue Querteilanlage. Gleich mehrere Komponenten machen die neue Variante flexibler und schneller. Eine moderne Doppelwendehaspel bietet Platz für zwei Coils von jeweils 15 t. Das Besondere daran: Auf der einen Seite der Doppelwendehaspel zieht die Einführhilfe Twin Shuttle ein Coil vollautomatisch in die Hochleistungsrichtmaschine Hi Cap ein. Währenddessen scannen die Anlagenbediener ein weiteres Coil vor der Haspelbeladung per Barcode-Scanner. Jedes Coil verfügt über einen Barcode, über den es sich eindeutig identifizieren lässt. Der Code umfasst auch das Coilgewicht, das unter anderem für die Regulierung des Lagerbestandes genutzt wird. Die Bandanlage erkennt die Parameter bearbeiteter Coilarten wieder und sorgt so für die geforderte Qualität der Zuschnitte.

Das entsprechende Coil setzen die Anlagenbediener mittels Ladewagen auf die Haspel auf. Die Bearbeitung des Coils auf der gegenüberliegenden Haspelseite läuft währenddessen weiter. Ist das erste Coil abgearbeitet, genügt ein Knopfdruck. Dann dreht die Haspel sich um 180° und führt das neue Coil der Bandanlage zu. In der Folge fädelt die Hi-Cap-Richtmaschine das Band automatisch bis zur rotierenden Querteilschere ein. Diese schneidet den Stahl nach dem Richten exakt zu. Weil sich die rotierenden Messerbalken rechtwinklig zum Stahl bewegen, erzeugen sie saubere Schnitte. Die so konzipierte Anlage nahm Viessmann im Mai 2016 bei Arku ab. Im August startete die Produktion – und belegte eindrucksvoll das Potenzial der Neuanschaffung. „Was die Anlage kann, zeigte sich gleich beim Abwickeln der Coils“, betont Eberhardt. „Dank der Doppelwendehaspel sparen wir beim Rüsten rund 40 % der Zeit ein. Wir kommen so problemlos auf die gewünschte Dauer von unter zehn Minuten.“ Auch andernorts geht es seither zügig voran. Von 30 auf 60 ist die Zahl der pro Minute geschnittenen Bleche gestiegen und das bei kürzeren Durchlaufzeiten.

Rundum-Einblick dank installierten Kameras

„Seit wir auf der neuen Anlage produzieren, arbeiten wir im Ein- statt Zweischichtbetrieb. Pro Schicht kommen wir auf bis zu acht Coils. Das sind genauso viele wie mit der alten Anlage im Zweischichtbetrieb“, betont Karl-Heinz Hofmann, Linienleiter im Bereich Zuschnitt. Bei der rotierenden Schere ist außerdem das Start-Stopp-Verfahren nicht mehr nötig. Sie schneidet die bis 2,5 m langen Bleche präzise zu. Unterdessen läuft das Band ungehindert durch. Anlagenbediener Fabian Inacker freut sich über die vielseitige Vorrichtung: „Die Steuerung mit Touchscreen versteht jeder Mitarbeiter intuitiv. Außerdem fördert sie störungsfreie Arbeitsabläufe. Sie zeigt beispielsweise an, welche Teile in Arbeitsposition sind. Weiterhin informiert sie uns über Defekte, etwa an Sensoren oder Einzelkomponenten. So können wir Fehler schnell identifizieren und beheben.“

So gut wie die Steuerung gefällt ihm das ausgeklügelte Kontrollsystem der Querteilanlage. Mehrere Kameras zeigen Bereiche, die vom Bedienpult aus nicht zu sehen sind. Das Vorgängermodell verfügte lediglich über Spiegel. „Wir sehen nun noch deutlicher, ob die Teile gerade auf dem Fördersystem liegen. Außerdem ist leicht zu erkennen, wie viel Material noch auf der Haspel ist. Wir haben jetzt einen besseren Überblick und können rasch reagieren“, so Inacker. Über die neue Anlage freut sich auch Projektleiter Eberhardt: „Hinsichtlich Qualität und Durchlaufzeiten sind wir dank Arku voll auf Kurs. Interne Abnehmer wie Endkunden schätzen unsere Produkte. Und das ist schließlich das Wichtigste für ein erfolgreiches Geschäft.“

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