Servoantriebe Mit Servoantriebstechnik die Produkt- und Prozessqualität erhöhen

Autor / Redakteur: Thilo Sporbert / Stefanie Michel

Um auch anspruchsvolle Stanz- und Umformteile rationell und prozesssicher zu fertigen, lohnt sich der Einstieg in die Servopressentechnik. In einer 630-t-Maschine von Andritz Kaiser sorgen zwei Servo-Torquemotoren für den Antrieb und Linearmotoren mit Absolutwertgebern ermöglichen im Transfersystem eine hohe Beschleunigung. Mithilfe eines Energiemanagementsystems lassen sich außerdem die Energiekosten senken.

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Mit dem Einstieg in die Servopressentechnik durch den Kauf einer 630-t-Presse von Andritz Kaiser verspricht sich die Stanzerei Flammsyscomp vor allem eine deutlich höhere Flexibilität. Bild: Siemens
Mit dem Einstieg in die Servopressentechnik durch den Kauf einer 630-t-Presse von Andritz Kaiser verspricht sich die Stanzerei Flammsyscomp vor allem eine deutlich höhere Flexibilität. Bild: Siemens
( Archiv: Vogel Business Media )

Der Einstieg in die Servopressentechnik erweitert für Rene Kriening, Leiter der Stanzerei der Flamm-Syscomp GmbH & Co. KG in Hennigsdorf bei Berlin, die bisher ohnehin schon hohe Performance des Unternehmens: Die Nennpresskraft ist mehr als doppelt so groß als die der bisher größten Presse im Betrieb, wodurch allein schon ein wesentlich breiteres Teilespektrum gefertigt werden kann.

Neue Servopresse eröffnet neue Möglichkeiten

Von der Servoantriebstechnik verspricht man sich darüber hinaus einen Schub, was die Produkt- und Prozessqualität und vor allem auch die Flexibilität betrifft. So kann man das Leistungsspektrum über einfachere Massenteile hinaus erheblich erweitern – beispielsweise auf technisch anspruchsvollere Produkte wie komplexe Strukturteile im Automotive-Bereich, die in mehreren Stufen gestanzt, umgeformt und schließlich mit Gewinden versehen montagefertig aus der Presse kommen.

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Möglich wurde dies durch die Anschaffung einer Servopresse KSTU 6300 40 F5 SE von der Andritz Kaiser GmbH. Die Bezeichnung steht für eine Maschine mit 6300 kN Schließkraft, mit einer Tischgröße von 4 m x 1,9 m, 1000 mm Werkzeugeinbauhöhe, 400 mm Hub und einer Taktrate von maximal 60 Hüben pro Minute. Ebenfalls von Andritz Kaiser kommt das darin integrierte, über Linearmotoren angetriebene und dadurch hochdynamische Transfersystem (Typ KET).

Gemeinsam mit Siemens entwickelte der Pressenbauer das Steuerungs- und Servoantriebskonzept für den Hauptantrieb und auch den Transfer. Erste Wahl an Maschinen dieser Größe ist bei Andritz Kaiser ein Mittenantrieb über ein Rädervorgelege und zwei elektronisch in Lastausgleichsregelung miteinander gekoppelte Torquemotoren der Baureihe 1FW3 von Siemens. Dabei handelt es sich um standardisierte Katalogprodukte mit einer Bemessungsleistung von je 380 kW.

Stößelbewegung dank Servoantrieb für das Formteil programmierbar

Anders als bei konventionellen Antriebssystemen ist die Stößelbewegung einer servomotorisch angetriebenen Presse prinzipbedingt frei programmierbar und somit individuell an das jeweilige Formteil oder Werkzeug anpassbar. Andritz Kaiser setzt dazu auf ein von Siemens entwickeltes „Kurvengenerator“-Tool, das Teil des Applikationspakets Simopress Servo für die Pressensteuerung mit dem Motion-Control-System Simotion D445 ist.

Der Pressenbauer hat das Tool seiner eigenen Prozess- und Bedienphilosophie angepasst und mit Simatic WinCC flexible eine einfache, komfortable Bedienoberfläche erstellt, die auf einem industriefesten Simatic-Panel PC677 mit 19“-Touchdisplay läuft. Darin sind bereits mehrere Bewegungskurven für typische Stanz- und Umformanwendungen hinterlegt.

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