Rohr- und Profilbearbeitung

Renaissance der Rollen beschert Profilen einen zweiten Frühling

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Beim Walzprofilieren wird ein Metallblech in einer langen Maschine durch hintereinander angeordnete Walzenpaare nach und nach zu einem Profil geformt. Das Material wird kontinuierlich vom Coil abgerollt und läuft in der Maschine durch eine Zone, in der bei Bedarf Löcher unterschiedlichster Form ausgestanzt werden. Danach wandert das Blechband durch diverse Walzenpaare, sogenannte Gerüstsätze. Jedes Walzenpaar biegt das Blech ein kleines Stück weiter in die gewünschte Richtung bis zur Endform. Beispiele für solche Produkte sind etwa Dachrinnen oder auch Leitplanken.

Blech nimmt Profil an

Karl-Heinz Füller und sein Team haben nun in „grundlegenden Untersuchungen“ entdeckt, dass das Walzprofilieren in der Autoindustrie zukünftig verstärkt eingesetzt werden kann. Dabei stießen die Forscher auch auf neue Stahlsorten, die sich für das Verfahren besonders gut eignen und gewichtssparende Bauteile ermöglichen.

Im November 2006 begann im Werk Sindelfingen der Aufbau einer Pilotanlage, mit der die Daimler-Ingenieure das flexible Walzprofilieren derzeit weiter verfeinern und zugleich für die Produktion fit machen. Beteiligt sind an dem Projekt neben den Ulmer Forschern auch Ingenieure der PKW- und Nutzfahrzeugentwicklung, der Produktionsplanung und der Serienproduktion. Bereits 2009 soll auf der Pilotanlage die Serienfertigung eines Schwellers für die E-Klasse beginnen. Ab 2010 sind Komponenten für die CLS-Klasse geplant.

Ein breites Einsatzgebiet liegt bei Transportern, da in deren Bodenstrukturen und kastenförmigen Aufbauten die unterschiedlichsten Profile eingesetzt werden können. Dabei wurden zahlreiche profilierbare Bauteile, die heute als Pressteile ausgeführt werden, untersucht und „hinsichtlich der Kosten positiv bewertet“, heißt es aus dem Untertürkheimer Van Technology Center. Dort loten die Ingenieure nicht nur das jeweilige Potenzial für die laufenden Serienmodelle genau aus, sondern prüfen auch, wie sich das Walzprofilieren für kommende Transportergenerationen nutzen lässt.

Walzprofilierte Bauteile schon heute in Daimer-Fahrzeugen

Walzprofilierte Bauteile mit einer einfachen Geometrie finden sich bereits heute in Fahrzeugen von Daimler. „So verfügt die A-Klasse über entsprechende Schweller und der Sprinter über Längsträger“, betont Karl-Heinz Füller. Doch die meisten Komponenten einer Rohbaukarosserie bestehen nach wie vor aus Pressteilen – auch wenn die Werkzeugkosten beim Tiefziehen etwa doppelt so hoch liegen wie beim Walzprofilieren eines vergleichbaren Bauteils.

Zudem erreicht man beim Walzprofilieren durchschnittlich eine Materialausnutzung von 85 bis 95% im Vergleich zu Pressteilen, wo der Wert weiter unten liegt. Hinzu kommt, dass es seit der Einführung höchstfester Stähle – die für Leichtbau und ein gutes Crashverhalten notwendig sind – immer schwieriger wird, mit Tiefziehteilen die im Fahrzeugbau notwendigen Toleranzen einzuhalten. Beim Walzprofilieren wird die sehr gute Maßhaltigkeit durch ein schnelles Nachstellen der Rollen erreicht.

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