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Industriegüter/Stahl Thyssen-Krupp greift nach 5 Mrd. Minus durch

| Redakteur: Stéphane Itasse

Abschreibungen auf Stahlwerke in Brasilien und den USA haben die Thyssen-Krupp AG, Essen, einen Rekordverlust beschert: Der Jahresfehlbetrag des Gesamtkonzerns erreichte im Geschäftsjahr 2011/12 insgesamt 5 Mrd. Euro, wie das Unternehmen mitteilt. Der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger will mit Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen gegensteuern sowie die Unternehmenskultur grundlegend ändern.

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(Bild: Thyssen-Krupp)

Aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums des Verkaufsprozesses der Werke in Brasilien und den USA wird die Business Area für das Geschäftsjahr 2011/2012 als nicht fortgeführte Aktivität ausgewiesen, heißt es in der Mitteilung des Konzerns. In diesem Zusammenhang seien Wertberichtigungen von 3,6 Mrd. Euro bei Steel Americas vorgenommen worden.

Thyssen-Krupp will verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Zudem habe der Aufsichtsrat in seiner jüngsten Sitzung den Vorschlag des Personalausschusses angenommen, die Bestellung der Vorstandsmitglieder Dr. Olaf Berlien, Dr. Jürgen Claassen und Edwin Eichler mit Wirkung zum 31. Dezember 2012 einvernehmlich aufzuheben. Die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit der Gesamtverantwortung des Vorstands für die Führung der Geschäfte und die Führungskultur des Konzerns. Der Aufsichtsrat der Thyssen-Krupp AG dankt den drei Vorständen für die geleistete Arbeit und für ihre Zustimmung zur Aufhebung ihrer Verträge, mit der sie eine personelle Neuordnung des Vorstands ermöglichen.

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Dr. Heinrich Hiesinger, Vorsitzender des Vorstands der Thyssen-Krupp AG, sagte: „Das Projekt Steel Americas und die verschiedenen Compliance-Verstöße haben nicht nur einen immensen finanziellen Schaden verursacht. Wir haben dadurch auch an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren. Der Aufsichtsrat hat mit den Veränderungen im Vorstand ein klares Zeichen für einen Neuanfang gesetzt. Die Entscheidungen erfolgten in enger Abstimmung mit mir. Wir etablieren konsequent eine neue Führungskultur, die auf Ehrlichkeit, Transparenz und Leistungsorientierung basiert. Dafür stehen wir als Vorstand ein.“

Führungskultur bei Thyssen-Krupp wird grundlegend geändert

Das Desaster bei Steel Americas habe gezeigt, dass die Führungskultur von Thyssen-Krupp an vielen Stellen versagt hat, räumte Hiesinger auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag ein. „Wir können nicht zum Tagesgeschäft übergehen. Wir müssen und werden unsere Führungskultur ändern, das ist Voraussetzung, um erfolgreich zu sein.“ Die neue Kultur beruhe auf drei Eckpfeilern: Null Toleranz bei Verstößen gegen Gesetze und interne Regelungen, das Leistungsprinzip werde in den Mittelpunkt gestellt und Ehrlichkeit und Offenheit müssen von allen gelebt werden.

„Die hohe Zahl der Compliance-Fälle macht deutlich, wie konsequent wir aufklären“, verdeutlichte Hiesinger auf der Bilanzpressekonferenz seine Sicht der Dinge; bis heute hätten bereits 50 Mitarbeiter aus diesen Gründen das Unternehmen verlassen müssen.

Im Geschäftsjahr 2011/2012 erreichte Thyssen-Krupp bei seinen fortgeführten Aktivitäten (ohne Inoxum und Steel Americas) einen Auftragseingang von 42,3 Mrd. Euro, wie das Unternehmen weiter berichtet. Das entspreche einem Rückgang um 5 % im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten lag laut Mitteilung im Berichtszeitraum mit 40,1 Mrd. Euro rund 6 % unter dem vergleichbaren Vorjahreswert. Die Auftrags- und Umsatzrückgänge seien im Wesentlichen durch niedrigere Absatzmengen und Preise im Werkstoff-Geschäft bedingt. Im Industriegüter-Geschäft hingegen habe sich die positive Entwicklung fortgesetzt. Auftragseingang und Umsatz konnten nach Auskunft von Thyssen-Krupp auf ein Rekordniveau gesteigert werden.

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