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Vier Blech-Eigenschaften, die Verarbeiter und Presse wissen sollten

| Autor/ Redakteur: Alvise Crozzolin / Frauke Finus

Es gibt vier Faktoren, die Unternehmen beim Abkanten von Blech beachten sollten, um effizient zu arbeiten. Bediener und Abkantpresse müssen das Material gut beherrschen und auf Materialänderungen reagieren, um immer das bestmögliche Resultat erzielen.

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Der einzige Weg, die Bombierung zu händeln ist eine Technik zu verwenden, die die reelle Verformung bemisst und sie in Echtzeit korrigiert.
Der einzige Weg, die Bombierung zu händeln ist eine Technik zu verwenden, die die reelle Verformung bemisst und sie in Echtzeit korrigiert.
( Bild: Gasparini )

Eines der unvermeidlichen Phänomene bei dem Einsatz von Abkantpressen ist die Verformung der Struktur. Stahl wird mit anderem Edelstahl gebogen, der aus physischen Gründen einer Verformung unterliegt. Insbesondere hat die Oberwange die Tendenz, in der Mitte durchzuhängen. An diesem Punkt ist der Stempel der Matrize am nächsten, so dass der resultierende Winkel größer ist. Das Ergebnis ist, dass das Profil an den Enden und in der Mitte geschlossener und dem Rumpf eines Bootes ähnlich ist.

Dieses Durchbiegungs-Phänomen wird mit der Bombierung kompensiert. Der Matrizentisch wird nach oben gedrückt, um einen konstanten Abstand zwischen der Matrize und der Oberwange zu gewährleisten. Es bestehen zwei Bombierungsarten: die erste basiert auf ein Keilsystem, welches die Matrize mechanisch verändert. Die zweite benutzt hydraulische Zylinder mit kurzem VerfahrWeg, die im Pressentisch positioniert sind. Wie groß muss aber die Kompensation sein? Sich auf Datenblätter zu verlassen funktioniert in der Praxis nicht, weil das Blechverhalten nicht vorhersehbar ist. Es hat eine eigene Variabilität, das von einer Serie von Faktoren abhängt. Es ist absolut notwendig, solche Faktoren zu kennen und gegebenenfalls zu kompensieren, um Zeit und Materialverluste zu vermeiden. Im Besonderen gilt dies heutzutage, weil die Mengen so fragmentarisch sind. Das richtige Ergebnis beim ersten Versuch ist deswegen von wesentlicher Bedeutung.

Stahl ist nicht gleich Stahl

1. Stahl ist nicht gleich Stahl: Das Blech wird in der Regel nach der Streckgrenze in MPa gekennzeichnet. Dieser Wert ist sehr variabel und hängt von den Verunreinigungen, und den Unvollkommenheiten der Produktionstechniken ab. Um die Gefahr zu vermeiden weich zu bauen, sieht die Norm UNI EN 10027-1 den Mindestwert vor. Unter der Bezeichnung S275 kann jeder Stahl mit einer Streckgrenze nicht kleiner als 275 MPa eingeschlossen werden. Das Ergebnis ist, dass auch ein Stahl mit 320 MPa als S275 verkauft werden kann, obwohl er 16 % fester ist. Diese erhöhte Festigkeit des Materials erfordert eine höhere Anstrengung von der Abkantpresse, was unweigerlich zu einer Verformung der Oberwange führt. Beispielsweise wenn man von einem Stahl von 275 MPa zu einem Stahl von 320 MPa wechselt, werden es einen Unterschied von 0,05 mm in der Höhe geben. Dies ist kein vernachlässigbarer Wert erscheinen,

2. Bleche kommen nicht immer mit einem Loch: Die Daten der Schildbezeichnungen des Stahls verlieren ihren Sinn, wenn das Blech geändert wird. Entlang der Biegelinie variieren nun die Löcher die Verformungsbeständigkeit, sowohl beim thermischen Schneidvorgang als auch bei der Spanabfuhr. Die Stanzprozesse führen außerdem zu internen Spannungen, sodass es noch schwieriger ist, die Bombierung als festen Verformungswert zu verwalten.

3. Die Bedingungen: Stahl ist ein lebendiges Material. Die Walzrichtung erzeugt Fasern in der Struktur, so dass das Biegen eines Bleches parallel oder senkrecht zu dieser Richtung unterschiedliche Effekte sowohl was die Biegekraft als auch die Rückfederung angeht, haben wird. Ein soeben gebeiztes Blech weist eine größere Beständigkeit auf im Vergleich zu einer, welche einem Alterungs- und Oxidationsvorgang in der Oberfläche unterzogen wurde, und dies auch nach wenigen Wochen. Außerdem ist es nicht egal, einen heißen Stahl oder einen extrem kalten Stahl zu biegen: die Temperatur beeinflusst die Verarbeitungsbedingungen und führt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sogar die gleichen Maßeigenschaften sind sehr variabel, insbesondere auch hinsichtlich der Stärke. In diesem Zusammenhang teilen die Normen EN 10051: 1991 + A1: 1997 die Bleche in verschiedene Kategorien auf.

4. Unterschiedliche Effekte: Das Schneidverfahren über Tafelschere ändert die Blechfaser; das Plasma-, Laser-, und Sauerstoffschneidverfahren generiert an den Blechkanten und am Lochperimeter einen thermischen Schock, der nicht ignoriert werden sollte. Aus diesem Grund sollte eine gute Abkantpresse nicht auf Datenblätter-Bankdaten basieren, beziehungsweise sich auf keine Berechnungs- oder Vorhersagesoftware verlassen. Es gibt keinen Algorithmus, der das Verhalten des Bleches vorhersagen kann.

Der einzige Weg, die Bombierung zu händeln liegt darin, eine Technik zu verwenden, die die reelle Verformung bemisst, und sie in Echtzeit korrigiert. Nur auf diese Weise wird das Ergebnis unabhängig von den variablen Materialeigenschaften den anspruchsvollsten Anforderungen entsprechen.

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