Zulieferindustrie Frankreichs Zuliefer haben sich für den Weltmarkt fit gemacht

Autor / Redakteur: Josef Kraus / Josef-Martin Kraus

Die französischen Zulieferer haben automatisiert, umstrukturiert und rationalisiert. Das schlägt sich in einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit nieder, die vor allem Betriebe mit Absatzmärkten außerhalb der Automobilindustrie kennzeichnet. Viele französische Zulieferer fordern nun ihren Platz als Wertschöpfungspartner in Zulieferketten ein.

Firmen zum Thema

Auf der Midest 2008 in Paris demonstrierten die französischen Zulieferer ihre gestiegene Wettbewerbsfähigkeit.
Auf der Midest 2008 in Paris demonstrierten die französischen Zulieferer ihre gestiegene Wettbewerbsfähigkeit.
( Archiv: Vogel Business Media )

Nachdem der französische Staatssekretär für industrielle Angelegenheiten, Luc Chatel, im Spätherbst vergangenen Jahres die Midest eröffnet hatte, spitzten die französischen Industrievertreter nochmals die Ohren. Denn Chatel kam zur 38. Zuliefermesse in Paris auch als Regierungssprecher. Von ihm erwarteten die Vertreter eine Stellungnahme der französischen Regierung: Sie wollten hören, was der Staatspräsident gegen die sich anbahnende Wirtschaftskrise plane.

Der Regierungssprecher verkündete neue Investitionsanreize. So wurde die Gewerbesteuer für anstehende Investitionen bis Ende 2009 ausgesetzt. Direkte Hilfen hatte man nicht erwartet. Die französischen Zulieferer sahen sich für schwierigere Zeiten gerüstet. Das drückte sich auf der Messe in einem verstärkten Selbstbewusstsein aus, das aus einer gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit resultierte.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

„Insbesondere im Vergleich zur asiatischen Konkurrenz hat sich der Abstand vergrößert“, berichtete Guy Métral. Für den Präsident der Midest spiegelte sich das in einer erhöhten Ausstellerfrequentierung auf der Messe wider. Über 37600 Messebesucher wurden registriert, 20% mehr als im Vorjahr. „Nicht wenige davon kamen von Endherstellern, die in der Vergangenheit Aufträge an Zulieferer im billigeren Ausland vergaben“, bemerkte Métral, der diese Entwicklung auf der Messe auch als Präsident der Industrie- und Handelskammer im Departement Haute-Savoie wohlwollend registrierte.

Dieser Trend schlug sich natürlich im Branchenumsatz nieder. So wurde 2007 ein Umsatz von über 78,22 Mrd. Euro erzielt, 4,6% mehr im Vergleich zum Jahr zuvor, als man erstmals knapp den Rekordumsatz von 2001 übertraf. In dieser Zeit hatte man sich dem globalen Wettbewerb gestellt, insbesondere aus den Niedriglohnländern. Dabei wurde vieles verändert. „Die Branche durchlebte einen schmerzlichen Veränderungsprozess“, schilderte Métral. Es wurde automatisiert, umstrukturiert und rationalisiert. Mit weniger Mitarbeitern hat man den Umsatz erhöht. Dieser Prozess setzte sich 2007 fort, als auf der Midest laut Métral „eine neue Wachstumsperiode bereits deutlich sichtbar“ war. Ein Jahr später stellte der Präsident der Midest fest: „Wir müssen die asiatische Konkurrenz nicht mehr fürchten.“

Stimmung bei Automobilzulieferern kippt ins Negative

Zu diesem Zeitpunkt verzeichnete die Branche eine Reihe von Erfolgen. So hat sich im ersten Halbjahr 2008 ein ähnlich hohes Umsatzwachstum wie im Vorjahr eingestellt. Erst im letzten Jahresquartal kippte die Stimmung, insbesondere bei den Automobilzulieferern. Die Automobilhersteller in Frankreich orderten seitdem 30 bis 70% weniger. Sie haben sogar die Produktion über Dezember weitgehend eingestellt – mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Zulieferer, wie Métral auf der Messe meinte. Schon zuvor entpuppten sich die französischen Automobilhersteller nicht gerade als Wachstumstreiber – im Gegensatz zu anderen Absatzbranchen, zum Beispiel der Luftfahrttechnik, die auf der Midest 2008 als „market of the year“ ausgerufen wurde.

(ID:283996)