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Werkzeugbau/Formenbau

Unbezahlte Rechnungen belasten Werkzeug- und Formenbauer

| Autor/ Redakteur: Wolfgang Bahle / Bernhard Kuttkat

Auch der Werkzeug- und Formenbau spürt die konjunkturellen Verwerfungen, unter denen immer mehr Branchen leiden. Doch nicht alle Betriebe sind gleichermaßen betroffen, auch wenn die Zahlungsmoral vieler Kunden immer mehr zu sinken droht. Und manche Werkzeugbauer berichten sogar von nach wie vor gut gefüllten Auftragsbüchern.

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Gerade bei komplexen Werkzeugen können deutsche Werkzeug- und Formenbauer ihre Stärken ausspielen. Bild: Hofmann
Gerade bei komplexen Werkzeugen können deutsche Werkzeug- und Formenbauer ihre Stärken ausspielen. Bild: Hofmann
( Archiv: Vogel Business Media )

Trotz Krise – es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Positive Signale kommen beispielsweise aus dem Werkzeug- und Formenbau. Zwar spürt man auch hier die volle Wucht der Rezession, trotzdem bekommt man nicht selten zu hören, dass die Auftragsbücher gut gefüllt seien und man für die nächsten zwei bis drei Monate zu tun habe.

Werkzeugbauer mit dicken Auftragsbüchern

Und manchmal ist das Auftragspolster sogar besonders dick – wie bei der Werkzeugbau Ruhla GmbH im thüringischen Seebach, die sich mit einer modernen und teilweise automatisierten Fertigung auf komplexe Werkzeuge für den Kunststoffspritzguss, für den Stanz- und Biegebereich sowie auf Wartungsarbeiten spezialisiert hat. „Bei den Neuwerkzeugen gibt es nichts zu jammern, hier haben wir einen Auftragsvorlauf von gut einem halben Jahr“, beschreibt Geschäftsführer Marco Schülken die Situation im eigenen Betrieb. „Probleme gibt es allerdings im Wartungsbereich, weil viele unserer Kunden kurzarbeiten oder gar nicht arbeiten.”

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Ähnlich positiv sieht es bei der Köbelin Formenbau GmbH im badischen Eichstetten aus. Das Unternehmen mit 40 Mitarbeitern hat sich auf Hightech-Werkzeuge für den Kunststoffbereich spezialisiert, unter anderem für Reinraumanwendungen. 70% vom Umsatz werden mit Kunden aus dem Medizin- und Pharmabereich erwirtschaftet, die anderen 30% mit der Automobilbranche. „Die Kunden fordern aktuell nicht weniger Werkzeuge an als bisher“, sagt Geschäftsführer Joachim Köbelin. „Es gibt es keine Stornierungen oder ähnliches, auch nicht im Automobilbereich.”

Zahlungsmoral der Kunden ist deutlich schlechter

Allerdings merkt man auch in Eichstetten den enormen finanziellen Druck, unter dem vor allem die Automobilzulieferer stehen. „Was wir sehr stark spüren, ist, dass die bisher schon schwierige Zahlungsmoral noch mal deutlich schlechter geworden ist.” Ein nicht unerheblicher Aspekt, weil nur wenige Werkzeugbauer über ausreichende Liquiditätsreserven verfügen, um dies locker wegstecken zu können.

Beklagt wird zudem, dass die Banken bei der Finanzierung von Projekten „immer weniger kooperativ” seien und den Kontokorrentkredit zur Vor- oder Zwischenfinanzierung knapp halten. Zwar ist es in der Branche üblich, am Beginn des Projekts eine Anzahlung von meist 30% zu leisten, aber die verbleibenden 70% des gesamten Auftragsvolumens gilt es vorzufinanzieren, oft über viele Monate und noch mehr Änderungsschleifen hinweg.

Automobilindustrie bezahlt Rechnungen nur schleppend

Die zunehmende Neigung der Kunden, den nach erfolgreichem Projektende fälligen Rechnungsbetrag prinzipiell nur schleppend zu begleichen, bestätigt auch Schülken: „Auch wir merken, dass in der Automobilindustrie teilweise Zahlungen künstlich verzögert werden.” Probleme mit der Liquidität habe man allerdings nicht, „da sind wir zum Glück ein Stück weit selbstständig“.

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